Vogtlandanzeiger über Dirty Old Man


OTZ 20.12. 2016

Marko Kruppe aus Pößneck und sein neues Buch „Von Sein und Zeit“

Marko Kruppe aus Pößneck schreibt in seinem neuen Buch „Von Sein und Zeit“ mit großer Ungeduld gegen Zustände an, die so nicht sein dürften

Pößneck liefert Marko Kruppe immer wieder Stoff für unterschiedlichste Betrachtungen. Foto: Lucien Streit
Pößneck liefert Marko Kruppe immer wieder Stoff für unterschiedlichste Betrachtungen. Foto: Lucien Streit

Der Autor Marko Kruppe aus Pößneck hat sein drittes Buch herausgebracht. In "Von Sein und Zeit" hat er Kurz­geschichten, Essays, Reportagen und Gedichte gesammelt, die den breiten Querschnitt seines Schaffens widerspiegeln. Das 118-seitige Taschenbuch ist als erster Band der Edition Outbird im Telescope Verlag aus dem sächsischen Mildenau erschienen und wurde am Wochenende mit einer Lesung in Hermsdorf erstmals der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt.

 

"Die Texte in diesem Buch beginnen zu glühen, wenn Kruppe sich an eine mystische Erfahrung des Jetzt heranschreibt, immer wortwütiger und verzweifelter, weil sie sich einfach nicht fassen lässt", hält Ralf Schönfelder, Literaturprojektmanager auf Burg Ranis, im Vorwort des Bandes fest. Tatsächlich hinterfragt Kruppe meist mit großer Ungeduld gesellschaftliche oder menschliche Zustände, die so nicht sein dürften. Er gräbt den Sinn scheinbar banaler Episoden aus und fügt diese zu einem großen Ganzen. Er teilt mit seinen Lesern oft mit einem Augenzwinkern Freud und Leid des Klein­städters, wobei auch "Leipzig stinkt", wie eines der zwanzig Stücke im Buch heißt.

Kruppe notiert, was ihm widerfährt, und hält oft traurig fest, was vom Tage übrig bleibt. Er nimmt sich mitunter selbst auf die Schippe und immer wieder das, was den meisten Zeit­genossen am wichtigsten ist, nämlich der materialistische Wohlstand. Seine große Sympathie gilt den Unangepassten, kein Wunder, gehört doch der 38-Jährige im Erziehungsjahr mit seiner zweiten Tochter gewissermaßen selbst noch dazu. 

Man spürt es förmlich, welche Angst er davor hat, dass ihm Erfolg und Sesshaftigkeit die Ecken und Kanten abschleifen könnten. Immer wieder mal werde er gefragt, wo er denn Germanistik studiert habe, erzählte Kruppe in einem OTZ-Gespräch. "Ja, nirgendwo", sagte er. Sein letzter Abschluss sei jener der Hauptschule gewesen. Trotzdem wird er bundesweit zu Lesungen eingeladen, meist in alternative Clubs.

 

In diesen wird er aus seinem neuen Buch vielleicht "Draußensein" vortragen, eine Episode aus dem Land des Tausend Teiche, oder den "Geruch der Freiheit" verbreiten, eine Geschichte über seine bierselige Begegnung mit Jugendlichen, die einen Sommer lang auf der Pößnecker Altenburg gelebt haben. In einem anderen Text ist er mit Pößnecker Punkern in Oberfranken unterwegs.

 

Seine Heimatstadt verbindet Kruppe gleichermaßen mit Hass und mit Liebe. Eine größere Rolle soll Pößneck in seinem nächsten Buch spielen, welches "Geschichten vom Kaff der guten Hoffnungen" heißen werde – einen Vorgeschmack gibt es ebenso in "Von Sein und Zeit".

 

Zum Buch gehören schließlich 20 Fotografien des Saalfelder Künstlers Stefan Jüttner, welche teils Stimmungen aus Kruppes Texten aufnehmen. Teils erzählen die Illustrationen, vor allem die surrealen Inszenierungen, selbst eine Geschichte.

 

Marius Koity / 20.12.16



OTZ 8.3. 2016 über "Dirty Old Man"

Schonungslose Ehrlichkeit auf dem Roten Sofa: Pößnecker Autor Marko Kruppe liest Bukowski

Marcus Voigt 08.03.16 OTZ

Der Dirty Harry der amerikanischen Literatur stand im Mittelpunkt einer Lesung auf dem Roten Sofa des Vereines Pößnecker Alternativen Freiraum.

Tilotanik und der Autor Marko Kruppe (rechts) im Zusammenspiel. Foto: Marcus Voigt
Tilotanik und der Autor Marko Kruppe (rechts) im Zusammenspiel. Foto: Marcus Voigt

„Goodbye Tennessee, du schwuler Alkoholiker und Tablettenschlucker, ich trinke heute Abend eine extra Flasche Wein für dich“. Es ist Lyrik wie diese, die der Pößnecker Autor Marko Kruppe dem amerikanischen Dichter und Schriftsteller Charles Bukowski (1920-1994) hoch anrechnet. „Er war deutlich und hat kein Blatt vor den Mund genommen. Gossensprache war bei ihm angesagt, er hat sich durch keine gesellschaftlichen Konventionen einschränken lassen. In einer Zeit, in der das gezeigte Verhalten nur noch aufgesetzt ist, hat seine Deutlichkeit natürlich eine Vorreiterrolle“, schwärmt Kruppe. Genau aus diesem Grund präge Bukowskis Werk am einflussreichsten sein eigenes Schaffen.

 

So ist allzu verständlich, dass Kruppe den Dirty Harry der amerikanischen Literatur auf dem Roten Sofa im Pößnecker Alternativen Freiraum (PAF) in den Mittelpunkt rückte. Begleitet wurde er dabei vom Rudolstädter Musiker Tilotanik, der mit seinem harten Blues Punk nach Kruppes Worten „verdammt gut zur Literatur“ passte.

 

Der Pößnecker Autor selbst ließ durch eine breite Auswahl den Grund erkennen, warum der bekennende Trinker Bukowski in den Buchläden der USA als der meistgeklaute Autor gilt. Denn neben einer oft satirisch überhöhten, schonungslosen Ehrlichkeit ist da auch eine tiefgreifende Gesellschaftskritik. 

„Goodbye Hochseilartist, zu Tode gestürzt vor teilnahmslosen Gesichtern, die hochschauen, dann runter, dann weg“.

 

Oder die Frage, welche Generation denn die seine sei, wenn schon die der 1920er Jahre als eine verlorene betitelt wurde. 

Bukowskis Antwort mit Blick auf ein Leben zwischen elektronischen Kommunikationsmitteln und Atomwaffen: die letzte.

 

In Bukowskis oft teilautobiografischen Werken wird aber auch immer wieder ein Kampf mit der Schreiberei und sich selbst deutlich: „Ich versuchte zu schreiben, ich existierte kaum, meistens tippte ich dreckiges Zeug für Sexmagazine“. Selbst Gedichte, die er schrecklich fand, gab er als „Dokument meiner Mühen“ ab, um sie dann in Magazinen „mit einer Auflage zwischen 100 und 750 Stück“ veröffentlicht zu sehen.

 

Als Leser wird man durch solche Aussagen selbst mit in diesen Kampf hineingezogen, wie Kruppe seinen leider nur etwa zwanzig Zuhörern verdeutlichte.

Deshalb sähen seine Bukowski-Bücher auch aus, wie sie nun eben aussehen. „Da müssen Eselsohren drin sein und Kaffeeflecken. Am besten ist es, wenn noch literweise Bier drüber gelaufen ist.

Und Kotze darf auch nicht fehlen“, dozierte Kruppe. So viel Ehrlichkeit hätte Charles Bukowski sicher gefallen.



OTZ 27.07.2015

Georgien statt Pößneck als Premieren-Ort: Lesung mit Marko Kruppe

Der Pößnecker Marko Kruppe hat 30 Zuhörern am Sonnabend in einer Lesung sein druckfrisch vorliegendes Buch „Lange Nächte in Tiflis“ vorgestellt. Sein zweites Buch soll schon bald erscheinen.

Die Autoren Benjamin Schmidt (links) und Marko Kruppe stellten am Sonnabend in Pößneck eigene Texte vor. Foto: Mario Keim
Die Autoren Benjamin Schmidt (links) und Marko Kruppe stellten am Sonnabend in Pößneck eigene Texte vor. Foto: Mario Keim

 

Es sei kein politisches Buch, das Marko Kruppe da schrieb, aber gesellschaftskritisch sei es schon. „Dafür würde ich mich zu sehr als Utopist bezeichnen“, sagte der 37-Jährige zur Präsentation von „Lange Nächte in Tiflis.“ Druckfrisch lag es am Sonnabend vor, sagte der Pößnecker, als er im Haus des Pößnecker Alternativen Freiraumes (PAF) in der Ernst-Thälmann-Straße daraus las.

 

Der Autor machte beim Lesen Lust auf mehr, denn es waren zunächst nur wenige Auszüge, die er aus seinem ersten Buch vorstellte. Das Reisetagebuch entstand während einer Fahrt nach Georgien, als der Autor vom 25. Dezember 2014 bis 10. Januar 2015 ein paar Künstler aus Halle an der Saale traf, deren Weg in die USA er via Internet schriftstellerisch für den eigenen Blog begleitet. Seine Berichte garnierte er mit Hintergrundwissen über das Land.

Ein Verleger fand Gefallen an den Geschichten, so dass die geplante Erstveröffentlichung vom „Kaff der guten Hoffnung“ noch warten muss. Jedoch soll das damit zweite Buch baldmöglichst folgen, sagte der Autor.

 

Marko Kruppe und der aus Krölpa stammende und in Berlin wohnende Benjamin Schmidtlasen am Sonnabend im Rahmen der Lesetour unter dem Titel „Sex & Drugs & LiteraTour“ abwechselnd ihre Texte. „Unsere Show hat kein Konzept, jeder Abend läuft anders“, erläuterte der Pößnecker das Programm. 

Da stand vor den 30 Zuhören zunächst die Frage, ob man Literatur unter diesem Namen ankündigen dürfe, zumal das Ganze dem Titel nach nicht ganz jugendfrei war.

Die Antwort lautete eindeutig Ja. Auch wenn beide Akteure mit einem Augenzwinkern auf Plakaten vor dem eigenen Schaffen warnen und lieber Schiller und Goethe empfehlen.

 

Die Zutaten an diesem Abend stimmten, wie die Reaktionen des Publikums zeigten, das vor allem empfänglich für heitere Texte war. Die beiden Kollegen und Freunde vereint die Sprache, die zum Teil sehr philosophisch angelegt ist. Auch legen beide Verfasser Wert auf stark autobiographische Züge, die sogar soweit gehen können, dass davon am Ende gar nichts mehr autobiographisch, sondern nur noch wahr ist. So passiert in dem Text „Wie ich von der Bundeswehr zwei Kisten Bier geschenkt bekam“ aus der Feder von Marko Kruppe, der sich als Künstler M. Kruppe nennt.

 

Beide trugen diese Zeilen, die eine Musterung zum Inhalt haben, im Dialog und stark theatralisch vor. Das Publikum sparte nicht mit Beifall. „The Show must go on“ so das Motto von „Sex & Drugs & LiteraTour“, denn laut Marko Kruppe ist auch klar: „Literatur muss Entertainment sein.“

 

 

Mario Keim 27.07.15 OTZ

OTZ 21.07.2015 

Pößnecker Autor Marko Kruppe stellt neues Buch vor

 

Der Pößnecker Autor Marko Kruppe hat von seinen Erlebnissen einer Reise nach Georgien – vor sieben Monaten – ein Buch verfasst. Am Sonnabend wird es in Pößneck bei einer Lesung druckfrisch präsentiert.

Autor Marko Kruppe in einer Bar in Tiflis. Das Tagebuch seiner Reise nach Georgien wird am 25. Juli als Buch präsentiert. Foto: Elisabeth Oertel
Autor Marko Kruppe in einer Bar in Tiflis. Das Tagebuch seiner Reise nach Georgien wird am 25. Juli als Buch präsentiert. Foto: Elisabeth Oertel

 

Marko Kruppe ist einer, der jeden Tag schreibt. ­Tagebuch, Gedichte, Kurzgeschichten, Blogs, Reiseberichte, Rezensionen. Auch, was er bei seiner Arbeit als Hausmeister in einer Jugendbildungsstätte erlebt, kann man online von ihm lesen; es ist höchst unterhaltsam und macht Lust auf mehr.

Dass das erste eigene Buch des 36-Jährigen ein Tagebuch einer Reise werden würde, war nicht geplant.Eigentlich brodelt in ihm ein Episodenroman mit dem Titel „Geschichten vom Kaff der guten Hoffnungen“, der dann wohl nächstes Jahr erscheint. Oft sitzt er in einem Pößnecker Café und schreibt genau diese Geschichten, teils autobiografisch, teils gesellschaftskritisch und immer mit Humor, auch wenn dieser manchmal etwas bissig rüber kommt.

 

Aber die langen Nächte in Tiflis konnten nicht so lange reifen. Die hat er intensiv erlebt, gemeinsam mit einer thüringisch-internationalen Künstlergruppe, von Ende Dezember bis Mitte Januar 2015. „Das Buch ist mir passiert“, sagt der Pößnecker, der in Tiflis an beinahe jedem möglichen Ort das Manuskript per Hand in ein Notizbuch schrieb. Er berichtet von den ersten Flügen in seinem Leben ebenso wie von den besonders langen, kreativen, inspirierenden, philosophischen, hochintellektuellen Gesprächsabenden mit den Künstlern. 

Zudem reflektiert er gesellschaftliche und analysiert gruppendynamische Prozesse, legt hin und wieder humoresk diverse Situationen und Begebenheiten dar.

 

Auszüge aus „Lange Nächte in Tiflis“ sind am Sonnabend zur Buchpräsentation ab 20 Uhr zu hören. Sie findet innerhalb der Lesetour mit dem Titel „Sex & Drugs & LiteraTour“ im Objekt des Pößnecker Alternativen Freiraums (PAF), Ernst-Thälmann-Straße 35, statt.

 

Der zweite Mann auf der Bühne ist Benjamin Schmidt, ein Wahlberliner, der aus Krölpastammt. Schmidt, der nach einem tragischen Unfall an den Rollstuhl gefesselt ist, veröffentlichte bereits zwei Gedichtbände und einen Roman mit dem ­Titel „Gegenüber von Glücklich“. Derzeit schreibt er an zwei weiteren Romanen, darunter ein autobiografischer.

 

„Die Leute werden lachen können am Sonnabend“, ist sich Marko Kruppe, Künstlername M. Kruppe, sicher. Fünf Mal ­lasen die beiden Autoren bereits gemeinsam in verschiedenen Berliner Clubs. „Wir haben es genossen, viele Menschen begeistert, schockiert, zum Nachdenken gebracht und unterhalten zu haben“. So soll es auch im heimischen Pößnecksein.

 

 

Brit Wollschläger 21.07.15 OTZ