Auf dem Landweg nach New York - Finale

Ankunft in New York
Ankunft in New York

Leavinghomefunktion – Ein Projekt ist gelungen, ein Projekt beginnt

 

Manche brechen das Fasten zu dieser Zeit, ich breche das Schweigen.

Es ist fast ein Jahr her, da wir hier nichts mehr von einander gehört haben. Einmal mehr muss ich sagen, dass das weniger an mir lag, als eher daran, dass der Kontakt auf der letzten Etappe des leavinghomefunktion – Projektes zu dem Quintett spärlich bis unterbrochen war. Und das lag auch weniger an den Fünfen selbst, denn vielmehr daran, dass die Zeit ohnehin ein beißender Konkurrent war, im Nacken saß wie manchem der Schalk. Die Zeit, das liebe Medium, das uns allen oftmals zu schaffen macht, bei einem solchen Unterfangen ein schlimmer Faktor, gerade, wenn es aufs Ende zugeht. Da müssen Visa-Fristen und verbindliche Termine eingehalten werden, das Geld wird knapp und nicht zuletzt haben die Ural-Motorräder nach 40.000 km auch irgendwann den "Auspuff voll". Verschleiß und Belastung nagen an den Maschinen und die Pannenrate wird immer dichter.

 

Logisch, dass da wenig Zeit bleibt, die Kontakte nach Deutschland zu pflegen, um die Berichterstattung aufrecht zu erhalten. Am Ende muss mensch Prioritäten setzen.

Und ganz sicher ward ihr alle zumindest durch die verschiedenen TV-Berichte wenigstens im Ansatz auf dem Laufenden. Auch die MZ berichtete inzwischen mehrfach. Beides Medien, aus denen auch ich die Hauptsachen erfuhr.

Nun ist inzwischen April 2017. Das Projekt ist gelungen, die Damen und Herren sind zurück und haben es sich in Halle/Saale (wieder) gemütlich gemacht. Das allerdings heißt nicht, dass wir von nun an erst recht nichts mehr von Anne, Elisabeth, Efy, Johannes und Kaupo hören, im Gegenteil.

Ein Film will geschnitten, ein Buch geschrieben werden und zwischendrin gibt es für alle Interessierten die Möglichkeit, das Quintet persönlich kennen zu lernen und dabei obendrein ausführlich über die Tour 50.000 km 2 ½ Jahre, von Halle nach New York zu erfahren.

 

Abgesehen von verschiedenen Terminen in der gesamten Bundesrepublik, wie zum Beispiel am 23. Mai 2017 auf der Literatur- und Kunstburg Ranis (Thüringen), laden die Abenteurer ab dem 29.4. 2017 um 18.30 Uhr regelmäßig zu sich nach Hause ein. Stattfinden wird das alles in der Puschkinstraße 28, 06108 Halle (Saale) „Wohnzimmer-Präsention“ nennen wir es an dieser Stelle einmal salopp und es wartet, wie auf der Webseite des Projektes zu lesen steht, folgendes:

Zweieinhalb Jahre waren wir zu Gast bei den verschiedensten Menschen. Jetzt sind wir gerade wieder angekommen und wollen Euch einladen, unsere Gäste zu sein. Die Erlebnisse der letzten 2.5 Jahre rund um den Globus sollen raus und wollen geteilt werden!

Mit verschiedenen medialen Mitteln setzen wir Euch in unsere Seitenwägen und manövrieren gemeinsam über 40.000 Kilometer und 3 Kontinente, den Kolima hinunter bis zum Arktischen Ozean, durch ein dichtes Netz von skurrilen Anekdoten und bizarren Erlebnissen. Begleitet vom Kasachischen Wind, ewigen Sibirischen Tigermücken und der ständigen Frage „Wie weit werden wir es heute schaffen?“ geben wir einen Einblick in das Theater der Ural und die Konstanz der Panne.

Wenn Ihr Euch vorab Zuhause stilecht auf diesen Abend vorbereiten wollt, ist es ratsam eine eiskalte Dusche direkt aus dem Gartenschlauch zu genießen. Parkt Eure Füße im Eisfach, putzt die Zähne mit einem Zahnpasta-Sand-Gemisch und tragt das löchrigste T-Shirt, das ihr habt… Wir freuen uns auf Euch!

Ahoi!“

 

Geplant ist, von da an vier mal im Monat eine Präsentation zu veranstalten, die wie ein Theaterstück konzipiert, mit verschiedenen erzählerischen und darstellerischen Mitteln die Geschichte ihrer Reise und darüber hinaus erzählen.

Der zweite Termin steht bereits, falls es unter welche nicht unter die auf 30 Plätze limitierten Glücklichen schafft, die der ersten Präsentation ihrer Art beiwohnen können. Die nächste Möglichkeit ergibt sich am Donnerstag, 04.05.2017, 19:30 Uhr. Auch hier wieder können 30 Menschen teilnehmen. Weitere Termine und die begehrten Tickets findet ihr wie gewohnt auf der Webseite unter:

 

http://leavinghomefunktion.com/de/deutsch-events/

 

Dieses war im Übrigen der vorletzte Beitrag meinerseits. Es wird noch ein Abschluss-Interview mit den Fünf Verrückten geben, dann heißt es für mich, hier Abschied zu nehmen. Vielleicht sollte ich schon jetzt einmal Danke sagen. Danke fürs Mitlesen, für die Geduld eurerseits wegen der oft langen Pausen zwischen den Berichten, danke fürs Kommentieren und Liken, für die vielen persönlichen Zuschriften und für eure Treue….


Auf dem Landweg nach New York - Etappe III

 


Start Etappe Drei - Fahrende Matrosen

 

 

Er war schon fast fertig, der neue Bericht, der erste, für die dritte und letzte Etappe unserer Freunde vom leavinghomefunktion – Projekt, als mein Rechner sich dachte: „Dem werd' ich jetzt ein feines Schnippchen schlagen!“ und sich unangekündigt ausschaltete. Das feiste Bluescreen-Grinsen im TFT Gesicht, der Mittelfinger in Form von seltsamen Geräuschen aus dem Gehäuse, und aus wars. Zwischenspreichern? Das war doch früher mal. Das braucht man doch heute nicht mehr. Da gibt es doch die Wiederherstellungsfunktion. Alles gut also. Der Ärger bleibt in Grenzen, der Rechner fährt wieder hoch und das Schreibprogramm fragt mich, ob ich die Dokumente wieder herstellen will. Natürlich will ich das. Es waren drei Seiten Bericht. Es liegen drei Stunden Arbeit hinter mir. Auswertung und Sortieren des Interviews, Recherche, Tippen, Löschen, Tippen... hier kürzen, da erweitern... was man eben so macht, als Schreiberling...

Aber nun steht da: „Das Dokument konnte aufgrund eines Problems nicht wieder hergestellt werden“! Es beginnt zu kochen in mir. Meine verkrampften Finger greifen zum Gehäuse, die Absicht, die Kiste aus dem Fenster zu werfen wird zu einem leisen Schrei und nur die Tatsache, dass ich kein Geld für einen neuen Computer habe, überredet mit Engelszungen der Vernunft, dies Vorhaben zu verwerfen.

Aber da nützt kein Jammern. Dann eben Versuch römisch zwei...

 

 

Auf zu neuen Ufern

Es war in den vergangenen Monaten nicht einfach, die fünf abenteuerlustigen „Uralisten“ zu erreichen, die sich in Vancouver/ Kanada im Winterlager aufhalten. Nicht, weil Kanada wie Sibirien ein schlecht ausgebautes Kommunikationsnetz hat, im Gegenteil. Eher lag es daran, dass zwischen wichtigen Arbeiten an den Maschinen, organisatorischen Bekümmerungen und nervigem Steuerkram, Geld in die geschröpfte Projektkasse kommen musste. So arbeiteten Johannes und Kaupo auf dem kanadischen Bau, während Anne sich in einem Feinkostrestaurant verdingte, Elisabeth einem nicht unbekannten Schriftsteller assistierte und quasi so etwas wie eine Adjutantin wurde und Efy als Kindermädchen ihre Zeit verbrachte.

Immer mal kurz konnten wir telefonieren, aber die Zeit für ein ausführliches Interview hatten wir nicht wirklich. Umso mehr freute ich mich nun, endlich, wenn auch nur schriftlich, meine Neugier – und somit nun auch die Eure- befriedigen zu können, als Johannes sich gestern die Zeit nahm, mit mir zu chatten.

Es geht rasant auf den Aufbruch zu Etappe drei zu. „Die letzten Vorbereitungen laufen.“ -schreibt Johannes. „Die Motorräder werden nun nach Anchorage, der nördlichsten Stadt Alaskas verschifft, die noch ohne größere Probleme erreichbar ist. Dort werden sie dann drei Monate gelagert, während wir zurück nach Magadan fliegen und zunächst auf fünf andere Motorräder umsteigen. In Magadan treffen wir auch unsere beiden Freunde Pedro und Martin wieder, mit denen wir gemeinsam von da aus los fahren werden, wo unsere Reise vor der Winterpause endete.

 

Wobei von fahren nur noch bedingt die Rede sein kann, denn Fahren ist nur noch ein Teil des Unternehmens und unsere Freunde werden zu Leichtmatrosen.

Johannes Fötsch - leavinghomefunktion
Johannes Fötsch - leavinghomefunktion

Schwimmen ist das Stichwort

Während des Aufenthaltes in Vancouver tüftelten, bastelten und testeten die Fünf mit einer Vielzahl Helfern und interessierten Leuten an dem Prototypen der schwimmenden Urals, jenem Vorhaben, das für die Überquerung der Beringstraße geplant war und erweiterten den Plan. Warum immer Flüsse im Osten Sibiriens überqueren, wenn doch die Maschinen auch zu Wasserfahrzeugen umgebaut werden könnten?

Die Idee lieferte ein Franzose, erzählt mir der quirlige Hallenser. „Francis Lamotte hat versucht, mit seiner KTM den Ärmelkanal zu überschwimmen, als Vorbereitung auf ein bevorstehendes Abenteuer, auf dem Kolima Fluss. Leider ist seine Maschine dabei in Brand geraten und gesunken. Ich habe über das Projekt einiges gelesen und mir dann die Sache mit den Pontons überlegt. Wenn er nach seiner Erfahrung auf dem Fluss die gesamte Strecke auf seinem doch eher wackeligen >Schiffchen< verbringen will, sollte es doch für uns machbar sein, das Ganze mit zwei Pontons pro Bike zu schaffen. Es gibt allerdings ein paar kleine Unterschiede bei der Auswahl der Bikes.

Francis Lamotte hat den Vorteil, dass das Öl seiner Maschine durch einen Kühler auf Temperatur gehalten wird. Wir hingegen sind auf den vorbeiströmenden Wind angewiesen. Wir allerdings haben den Vorteil, dass durch unsere Kardanwellen der Umbau einfacher ist, weil sie uns den Antrieb liefern. Und wir sind in der Lage, wesentlich mehr Ballast zu transportieren, was uns erlaubt, das gesamte Gefährt stabiler zu bauen. Für ihn ist es also schwierig, auf unerwartete Situationen einzugehen, weil er weniger transportieren kann. Eine Panne, und sei es nur ein gerissener Riemen, bedeutet für ihn das Ende seiner Reise. Unsere Bauart ist... ich sage es mal salopp... lokaler und damit im Großen und Ganzen nicht so anfällig. Was uns wesentlich stabiler macht ist unsere Breite. Das heißt, das Gewicht und der Abstand der Pontons. Wir haben weniger Auflagefläche auf dem Wasser durch diese Katamaran - Form. Das macht die Konstruktion wesentlich stabiler.

Der Antrieb der „multiplen Vehikels“ laufe über handelsübliche Ketten, die es auch in Russland gäbe, führt Johannes weiter aus. Die Zahnräder und Wellen seien ausnahmslos aus Stahl, was eventuelle Reparaturen vereinfache.

 

 

Quelle: leavinghomefunktion - Der Prototyp
Quelle: leavinghomefunktion - Der Prototyp

Ich lese zwischen den Buchstaben die euphorische Freude heraus, die anderen Ural-Maschinen endlich wirklich zu Wasser zu lassen. Die ersten drei Testfahrten auf dem Fraser River in Vancouver waren erfolgreich. Einige wenige und eher kleine Veränderungen wurden dann noch vorgenommen und nun ist die Konstruktion soweit bereit für den Start in Etappe drei.

Ich frage Johannes, ob es Vorkommnisse bei den Testfahrten gab, die für die Überquerung der Beringstraße relevant wären, schließlich sei dies doch der ursprüngliche Plan und die Quelle der Überlegung gewesen, die Urals schwimmtauglich zu machen.

Darauf antwortet er: „Wir planen nicht, die Beringstraße damit zu überqueren sondern nur den Kolima-Fluss mit der Strömung Richtung Polarmeer zu flößern.

 

Wie es denn dann mit der kontinentalen Überfahrt sei, frage ich weiter.

 

Wir werden in Seimtschan, einer kleinen Siedlung entlang der Kolima-Trasse (Road of Bones) unsere Gefährte ins Wasser lassen. Von dort versuchen wir, 1600 Kilometer auf dem Fluss entlang der Winterroute nach Tscherski zu gelangen.

Am 1.Juni werden wir in Magadan landen die „neuen“ Maschinen in Empfang nehmen und uns in einer Werkstatt einmieten. Dort werden wir zusammen mit ein paar russischen Helfern nach Bauplänen der Prototypen die Motorräder umbauen.

 

Warum steigt ihr auf andere Maschinen um und nehmt nicht eure eigenen, will ich wissen.

 

Das mit dem Umsteigen auf andere Motorräder hat zum Einen damit zu tun, dass es unheimlich teuer ist, die Motorräder wieder zurück nach Russland zu verschiffen. Es ist billiger, sich andere Urals vor Ort zu kaufen. Zum Anderen gibt es uns die Freiheit, falls es an irgend einem Punkt nicht mehr weiter geht, die Maschinen zu verlassen. So haben wir die Sicherheit, dass wir den zweiten Teil unserer dritten Etappe auch auf unseren Motorrädern verbringen werden. Den Vorteil, nicht unter allen Umständen an seinen fahrenden Untersatz gebunden zu sein, macht es wesentlich einfacher, Endscheidungen zu treffen.

 

 

So also ist der Plan, der vom Eigentlich etwas abweicht, aber dennoch an abenteuerlichen Maßstäben nicht verliert. Wie genau es dann von Russland nach Alaska gehen wird, liegt in mehreren Optionen als Eventualität vor und entscheidet sich auf der Strecke.

Quelle: leavinghomefunktion - die Testfahrt
Quelle: leavinghomefunktion - die Testfahrt

Schrauben, Schweißen Fertig machen

Aber zunächst heißt es, den Kolima-Fluss zu bezwingen. Einzelne Teile für den Umbau der Urals, die dann in Magadan auf die Fünf warten, sind bereits vorgefertigt. Die wesentlichen Umbauten allerdings werden dann vor Ort vorgenommen. Die notwendigen Materialien und Pontons sind bestellt und auf dem Weg nach Magadan. Es warten dann also Schraub- und Schweißarbeiten, bis es endgültig losgehen kann. Das Ganze wird, so Johannes, etwa eine Woche dauern. Dann heißt es Aufbruch. Zunächst geht es auf den Straßen 500 Kilometer nach Seimtschan, wo die Fahrenden planmäßig am 12. Juni, auf den Fluss treffen werden. Martin (siehe Etappe zwei) hat sich in Magadan ein Boot gekauft und wird zusammen mit russischen Freunden im Truck zum Fluss reisen und die Fünf am Ufer treffen. Er wird dann das Boot fahren und Proviant und Sprit transportieren. Auf diese Weise ist der Trip doppelt abgesichert.

Für die schwimmende Zwischenetappe sind etwa 20 Tage eingeplant, wenn das auch recht schwer bestimmbar sei. „Da wir mit der Strömung fahren, sind uns 10 KM/h Strömungsgeschwindigkeit schon einmal sicher.“ - schreibt Johannes. „Wenn wir in Tscherski ankommen, rüsten wir unsere Bikes wieder auf Straße um und machen uns auf den Weg nach Anadyr. Etwa 2000 km Piste liegen dann vor uns. Dazu eine Menge Flüsse und wahrscheinlich viel Moor wird uns erwarten.

Schätzungsweise gelangen die „Uralisten“ Mitte Juli zum Polarkreis. Die beste Zeit, diesen zu überqueren. Sollte es gelingen, bis Ende Juli in Anadyr zu sein, wird es weiter in Richtung Beringstraße gehen. Wie und ob und was dann genau geschehen wird, hängt von verschiedenen Umständen ab. Das Wetter, die Beschaffenheit der Straßen und Wege, die Verfassung der Maschinen und Etliches mehr. Eventuell wird ein kleines Flugzeug gechartert und der Weg nach Alaska in der Luft zurückgelegt. Hier warten dann die eigenen Ural-Maschinen auf ihre Besitzer und weiter geht es, straihgt in Richtung New York.

Auch die dritte Etappe verliert also nicht an Spannung. Ich bin sicher, ihr seid genauso neugierig wie ich, wie es weiter geht, was unsere reisenden Freunde alles erwartet, ob die Motorräder durchhalten und der Plan, so wie er momentan steht, eingehalten werden kann.

 

Das letzte Wort will ich nun dem leavinghomefunktion – Quartett überlassen, denn im Statement der Fünf, das mich soeben erreicht, gibt es noch eine kleine Bitte.

 

 

TATATATA: die erste amphibische Ural -

die Flut kann also kommen. Nach monatelangem Tüfteln schwimmt und röhrt sie endlich. Nach einigen Testfahrten auf dem Fraser River in Vancouver bereiten wir uns nun auf den "Endgegner" vor – den Kolima Fluss und die Durchquerung Tschukotkas. Der Kolima Fluss befindet sich abgelegen im östlichsten Zipfel des Fernen Ostens Russlands und ist unzugänglich für die meisten Vehikel, einfach aus dem Grund, weil es keine Straßen gibt. 250 Tage im Jahr ist der Fluss zugefroren und das Eis wird zur Straße. Eine gemütliche Autofahrt ist trotzdem nicht zu erwarten, bedenkt man die exotischen -50 Grad! Glücklicherweise werden wir das 3 Monate Sommerfenster ausnutzen und mit unseren schwimmenden Ural Motorrädern runterfahren. Der Geschmack unzähliger Pannen der letzten beiden Etappen durch Europa, die Türkei, Georgien, Kasachstan, die Mongolei und den Fernen Osten Russlands wird uns noch lang im Mund kleben. Es wird nicht simpel, wir werden fluchen, schrauben, Probleme lösen aber auch viel lachen und erneut um eine unbezahlbare Erfahrung reicher sein. Wir wollen diesen Fluss runter schwimmen - Wir machen das! Unser mobiles Studio wagt somit einen Ausflug in eine der unbekanntesten Gegenden unserer Welt.

Ich mache es kurz, egal wie viel wir die letzten 7 Monate geackert haben, wir brauchen noch einen finanziellen Schubser. Durch das erfolgreiche Crowdfunding auf der Plattform Indiegogo haben wir vor 1.5 Jahren den Grundstein unserer Expedition gelegt. Dank der Unterstützung zahlreicher Enthusiasten konnten wir unsere Urals aufsatteln und los reiten (DANKE!). Damit sich diesmal unser Propeller dreht und wir dieses Projekt umsetzten können, haben wir eine monatliche Crowdfunding Kampagne auf der Plattform PATREON eingerichtet. Als Gegenleistung können potentielle Unterstützer einzigartige Schmankerl von unterwegs erhalten!

 

Hier könnt ihr die Damen und Herren unterstützen



 

...to be continue...  


Auf dem Landweg nach New York - Zwischenmdeldung

Aus dem Versprechen, den Aufenthalt der Damen und Herren in Kanada etwas näher zu beleuchten, wird auf jeden Fall noch etwas, zeitlich aber ist es in den letzten Wochen sehr eng. Bei mir, bei den leavinghomefunktion - Leuten und überhaupt. Deshalb an dieser Stelle ein kleines Trostpflaster direkt aus der Zentrale der Ural-Reisenden... 


Auf dem Landweg nach New York - Etappe zwei - Teil IX

Etappenziel erreicht?

 

Die Road of Bones oder: Strecke der Verzweiflung

Nahtlosigkeit habe ich im Laufe des Jahres ja des Öfteren versprochen, selten eingehalten, mir aber stets im Schreiben des jeweiligen Berichtes vorgenommen. Nahtlosigkeit ist quasi eine Rarität in der Artikelserie um die Fünf vom leavinghomefunktion – Projekt. Gründe dafür habe ich genug genannt und muss an dieser Stelle nicht noch einmal darauf eingehen, dass Handy- und Internetempfang in den östlichsten Gebieten der ehemaligen Sowjetunion eher Glückssache sind.

Und hatte ich nicht auch Anfang des Jahres noch große Töne gespuckt, die Damen und Herren im Laufe der kommenden Monate noch einmal zu besuchen? Nun, dazu kam es ebenfalls nicht und ich bin schon ein bisschen traurig darüber.

Um so mehr freue ich mich immer wieder, wenn -meist unverhofft und eher aus heiterem Himmel- mein Telefon klingelt und das Display von jener Glückssache zeugt, die ich gerade oben erwähnt habe.

Zwischen Weihnachtsstress, dem ich mich stets zu entziehen versuche und dem fehlenden „Feeling“, weil das Wunderwetter den Dezember hier so warm hält als sei er vom sommerlichen Herbst in Heizdecken eingewickelt, zwischen Geschenkeeinpackwahnsinn und strengen Überlegungen, wen ich beim Gabenkauf vielleicht vergessen haben könnte, klingelt plötzlich das Telefon, ich lasse alles stehen und liegen, tippe erfreut auf den Annehmen-Button, wühle zeitgleich einen Stapel weißer Blätter aus dem Schubfach meiner Kommode und höre das gut gelaunte „Hallo Kruppe... na … wie geht’s?“ das Elisabeth irgendwo in Vancouver in die Miniatursprechmuschel eines Smartphones singt.

Was für ein glücklicher Zufall. Kurz nachdem ich den letzten Bericht veröffentlicht habe, der sehr, sehr lange auf sich warten ließ, kann es direkt und also nahtlos weitergehen. „Das ist doch ein schönes Weihnachtsgeschenk für die Leser.“ - denke ich.

Rahmenbruch und Bärenangst

Im letzten Bericht lasen wir von der Ankunft in Omjakon, was nicht ganz richtig ist, denn Tomtor heißt das kleine Städtchen, wo sich Anne, Efy, Elisabeth, Kaupo, Johannes und der „Reise-Gast“ Pedro kurzzeitig niederließen, um sich auf den härtesten Teil der Reise vorzubereiten. Und wenn wir vom „härtesten Teil der Reise“ reden, dann meint das exakt diese Beschreibung. Von Anfang an gab es zwar eine vage Ahnung dessen, was auf die „Uralisten“ zukommen wird, aber ich denke, aus Elisabeths Bericht herauszuhören, dass diese Ahnung weit von dem übertroffen wurde, was man als feuchte, bitterkalte Realität bezeichnen kann. Aber der Reihe nach.

Tomtor liegt im Rücken der nun wieder Fahrenden, die sich nun in Richtung Sonnenuntergang aus dem letzten Flecken Zivilisation heraus in die unbestimmte Weite einer langen Strecke bewegen, die etwa 160 Kilometer beträgt. Der erste Tag scheint gewohnt strapaziös, aber ohne weitere Vorkommnisse. Die Nacht kommt schnell und so schlägt das Sextett sein Lager in einem Steinbruch auf, mit großem Respekt vor den Bären, die es hier geben soll. Die aber lassen sich nicht blicken.

Der Morgen graut und hinterlässt Spuren einer unruhigen Nacht. Und unruhig soll es weiter gehen, denn während Pedros Felge eher einer „kinetischen Skulptur“ gleicht, will Elisabeths Motorrad nicht anspringen. Der Vergaser wird überprüft, die Zündkabel, die Ventile. Was genau am Ende das Problem war, bleibt ein Rätsel, relevant ist nur, dass die Maschine plötzlich läuft. Der Tross steuert die letzte Kreuzung an, die Rückkehr bedeuten könnte. Das wirklich letzte Dorf vor der Wildnis ist in Sichtweite, die Straße wird schlecht und schlechter bis sie abrupt endet und von hier an nur noch ein Pfad aus Kies ist, der in einen Fluss mündet.

Vierzig Kilometer haben die leavinghomefunktion Leute seit Tomtor geschafft, als Elisabeths Ural erneut zum Stehen kommt. Diesmal aber ist der Schaden nicht so einfach zu beheben, denn ohne Schweißgerät einen gebrochenen Rahmen wieder heile zu machen, ist eine unlösbare Aufgabe.

Das Glück im Unglück, dass die Fünf im Laufe der letzten elf Monate hin und wieder hatten, scheint auch hier wieder Hoffnungsgeber zu sein, denn von irgendwo dringt das Geräusch eines Rasenmähers her. Und da, wo ein Rasenmäher benutzt wird, ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, ein Schweißgerät zu finden. Also machen sich Anne, Efy und Johannes auf den Weg, den Rasenmäher und seinen Benutzer zu finden, wobei „Weg“ hier eine schlichte Untertreibung ist. Kilometerweit geht’s durch den Sumpf, bis sie zu einem kleinen Häuschen kommen. Aber Glück und Unglück liegen oftmals dicht beieinander. Der Mann, dem das Häuschen gehört hat zwar einen Rasenmäher, aber kein Schweißgerät und so treten die Drei unverrichteter Dinge den Rückweg an und beschließen, tags drauf noch einmal nach Tomtor zu fahren, während sie im Schlamm auf Bärenspuren stoßen.

Am nächsten Tag brechen Anne, Johannes und Pedro in Richtung Tomtor auf, während Elisabeth, Efy und Kaupo Ausschau nach Bären halten, denn da wo ihre Spuren sind, können die Tiere nicht weit sein. Und wer möchte schon einem hungrigen Bären gegenüberstehen? Habe ich eigentlich schon einmal erwähnt, wie froh ich bin, dass ich mich nicht als „fünften Mann“ für die zweite Etappe angeboten habe?

Jede Stunde die vergeht, in der die Zurückgebliebenen nichts von den anderen Dreien hören, heißt Sorge. Sorge um den Verbleib des „Rettungstrupps“, Sorge darum, dass ein pelziges Raubtier zum hungrigen Widerspruch seines niedlichen Äußeren wird, Sorge um den Fortgang des Planes, die Road of Bones heil und unbeschadet zu passieren. Und diese Sorge haben auch Einheimische, die zufällig am Lagerplatz der Wartenden vorbei kommen und ihnen ein „Bären-Schieß-Gerät“ in Form einer Signalpistole schenken, die zwar keinen erheblichen Schaden anzurichten imstande ist, doch aber ein so helles Licht macht, dass der Bär das Weite suchen könnte.

Also macht das lagernde Trio den ganzen Tag laute Musik und nach sieben Stunden kehrt die andere Hälfte der Gruppe mit den geflickten und geschweißten Schadstellen zurück. Auch Pedros Sitz wurde geschweißt, Benzin- und Essensvorräte wurden aufgefüllt.

Es ist sechs Uhr Abends, eigentlich keine Zeit, um jetzt noch Strecke zu machen, aber nachdem Elisabeths Motorrad zusammengebaut ist, will die Gruppe noch einige Kilometer aufholen.

Einige Kilometer heißt dann aber exakt zehn. An einem Fluss, der den Weg kreuzt, fährt sich der Este fest, denn die Brücke, die es hier mal gab, liegt in Trümmern im Wasser. So wird das Nachtlager auf einer kleinen Insel im Fluss aufgeschlagen, es gibt Nudeln und Dosenfleisch. Klingt zunächst recht romantisch, wäre da nicht die permanente Angst vor dem scheinbaren König Sibiriens, dem Bären. Elisabeth erzählt, dass sie in diesen Nächten auf jedes Geräusch hört, denn die Nächte hier sind still, sehr still und wenn man irgendwo ein Geräusch hört, und sei es noch so fern, dann rechnet man mit Allem. Ich hatte schon erwähnt, dass ich froh bin, mich nicht als „fünfter Mann“ der zweiten Etappe angeboten zu haben, oder?

Berühmte Hinterlassenschaften und und die Einsicht: es wird länger dauern

Nach dem Aufwachen wird, das ist inzwischen fast zum Ritual geworden, geschraubt. Eingeklemmte Bautenzüge müssen befreit und Bremsen gereinigt werden bevor es weitergeht, vorbei an eingestürzten Brücken, Klippen und Eisfledern. Im langsamen Vorankommen stoßen sie Sechs auf ein kleines Highlight. Vor ihnen liegt ein ausrangierter Kamaz, ein LKW russischer Bauart also. Und bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass dies nicht irgendeine Hinterlassenschaft, irgendeines hier lebenden Menschen ist, sondern einst dem Team von „Long Way Around“ als Begleitfahrzeug diente.

Einige von Euch kennen das Projekt der beiden britischen Schauspieler Ewan McGregor und Charles Boorman vielleicht. Denen, die es nicht kennen, sei es an dieser Stelle ans Herz gelegt, denn das Duo bereiste Teile der Strecke, die das leavinghomefunktion Projekt ebenfalls durchfuhr, allerdings nicht mit Uralmaschinen und begleitet von einigen Menschen mehr, die für Sicherheit und Ankommen sorgten.

Es war unglaublich hilfreich, diesen Kamaz zu finden. Da war eine Menge brauchbarer Kram und vor allem Werkzeug drin. Am meisten haben wir uns wohl über die 19er Schlüssel gefreut.“ sagt Elisabeth und ich kann die Euphorie dieses Momentes deutlich in ihrer Stimme hören.

Dann ging es durch kleinere Pfützen, die wir problemlos bewältigen konnten. Doch am Abend dieses Tages fiel uns dann das erste Mal nach einigen kleineren Klippen und Flüssen die Kinnlade runter, als wir dem ersten größeren Fluss gegenüber standen. Der war definitiv zu tief, um durch zu fahren. Wir entschieden uns also, das Öl aus den Motoren und den Getrieben abzulassen und die Motorräder mit Seilen durch den Fluss zu ziehen. Es war eine ordentliche Überwindung, in das kalte Wasser zu steigen, um bis tief in die Nacht die Motorräder auf die andere Seite zu schleppen. Während dessen schürte Efy ein Feuer im Lager an, an dem nach diesen Strapazen zu sitzen ein wahrlicher Genuss war. Aufwärmen und Klamotten trocknen war uns nach stundenlanger, nasskalter Arbeit das oberste Bedürfnis.

Im Erwachen am Tag danach liegt die Ahnung von Hunger und die Erkenntnis, dass der Zeitplan für die „Straße der Knochen“ wohl überschritten werden wird. Nicht nur , dass die gestrige Flussüberquerung beinahe 24 Stunden dauerte und noch einige Flüsse kommen werden, stellt ein Problem dar. Viel größer ist der Schock nach nochmaligem Vergleich verschiedener Karten und das ernüchternde Ergebnis, dass nicht etwa 160 Kilometer vor dem Sechstett liegen, sondern wesentlich mehr. Es sind knapp 300 Kilometer so zu bewältigen.

Eine der logischen Schlussfolgerungen ist demnach die Rationierung der Essensvorräte. Der Weg durch die Wildnis, das war allen Beteiligten von Anfang klar, wird hart. Dass er so hart wird, wie es sich nach nur wenigen Kilometern darstellt, ist vielleicht keine Überraschung, aber durchaus eine ernüchternde Feststellung. Dennoch: the Trip must go on. Irgendwann ist irgendwo ja auch wieder das künstliche Licht der Zivilisation, zumindest dessen, was man in Sibirien so nennen kann ohne -aus westlicher Sicht- zu übertreiben.

Also Kräfte sammeln und Motorräder wieder zusammenschrauben, nachdem die Zylinder demontiert, das Wasser abgelassen, Luftfilter und Vergaser trocken gelegt, Ventile neu eingestellt, Öl aufgefüllt und alle schmutzigen Daumen gedrückt sind, dass die Flutung der Maschinen keinen weiteren Schaden hervorgerufen hat. Trotz aller Zuneigung, akribischer Feineinstellung und Gebeten zu allen Patronen der Reisenden, will Annes Ural nicht anspringen. Hilfe von Außen? Fehlanzeige, denn seit Tomtor traf die Gruppe mit wenigen Ausnahmen auf keine Menschenseele. Im Schlamm der „Straße“ finden sich keine Spuren irgendwelcher Fahrzeuge, nur die stete Bedrohung der Bärentatzen, die wie ein mahnender Zeigefinger unaufhörlich die Gefahr predigen. Und auch, wenn das Brummen und Knattern der Motoren die Tiere wohl fern hält, schläft es sich schlecht hier draußen.

Und noch etwas macht die Nächte zu einem Erlebnis der dritten Art, wie Elisabeth sagt: „Die Nächte sind still, kein Wind, keine Geräusche begleiten unseren Schlaf. Es ist gruselig, wenn man bedenkt, dass hier tausende Gulag-Häftlinge beim Erbauen der Straße starben. Wir schlafen auf einem riesigen Friedhof.

fast schon ein Suchbild: finde die Ural
fast schon ein Suchbild: finde die Ural

Grenzerfahrungen

Der Fehler ist gefunden, Annes Ural spielt wieder mit und so kann es am nächsten Tag weitergehen. Die „Straße“ wird mehr und mehr zu einem Pfad durch Widrigkeiten. Was gestern noch Pfützen waren, sind heute schon kleine Teiche, auf denen sogar Seerosen wachsen. Johannes macht sich auf, in Anglerstiefeln die Tiefe zu testen und sinkt tief ein. Zu tief, um die Entscheidung treffen zu können, hier durch zu fahren. Es gibt nur die Option des Umfahrens, wennschon auch das einem abenteuerlichen Slalom-Wettstreites gegen die sibirische Natur gleicht. Ein Teich benachbart den anderen, Sumpf, Schlamm, Dreck und weit und breit kein Kamaz, kein Ural-LKW, nicht einmal ein W50, der in der tief stehenden Sonne der Hoffnung sicher auch einen langen Schatten werfen würde. Kettensäge und Seilsystem werden zu den wichtigsten Werkzeugen und die Zeit ist gnadenlos in ihrem rhythmischen Voranschreiten. Während mir Elisabeth von den Anstrengungen und den Emotionen erzählt, die sie -noch nicht einmal die Hälfte der Strecke geschafft- schon hier zu erleiden hatten, frage ich mich, ob ich schon einmal erwähnt habe, dass ich froh bin, mich nicht als „fünfter Mann“ …

Ich glaube, jemand der das noch nicht erlebt hat, weiß nicht, von welchen Entbehrungen ich hier spreche!“ sagt sie, meint damit den Zustand der „Straßen“ beziehungsweise die Bodenverhältnisse und ich kann mir nur annähernd vorstellen, was genau sie meint. Wir hier, die wir dieses Unternehmen nur von außen betrachten, fiebern vielleicht mit, freuen uns über jeden vollbrachten Streckenabschnitt, leiden vielleicht sogar gewissermaßen mit, aber vorstellen kann sich das tatsächlich nur ein Mensch, der diese Gegend nicht nur aus dem TV kennt. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass der Satz „Wir haben hier förmlich einen Hass auf Sümpfe entwickelt!“ keine Übertreibung ist.

Und nun fängt es auch noch an zu regnen. Alles, was noch nicht feucht geworden ist, wird nun nass, oder wie meine Gesprächspartnerin sagt: „...vom Wasser durchtränkt. Unter unseren Schlafsäcken hatte sich eine riesige Pfütze gebildet. Unsere Schuhe waren ohnehin schon seit Tagen nass.“ Nicht einmal der Versuch, sie mittels Papier auszustopfen und am abendlichen Feuer zu trocknen gelingt.

Und dieser Regen hält an. Eine Situation, die schnell sehr gefährlich werden kann.

Und schon wartet der nächste Fluss auf die sechs „Abenteurer“. Größer noch als der letzte. Pedro, der kolumbianische Gast des Projektes erklärt sich bereit, in die eiskalten Fluten zu gehen, um die Seile ans andere Ufer zu bringen. Ein nicht ungefährliches Unterfangen, denn die Strömung ist stark. Der erste Versuch des „Übersetztens“ scheitert bereits mit der ersten Maschine und die Gruppe beschließt, im Schlaf Kräfte zu sammeln.

Am nächsten Tag -Tag acht der Road of Bones Befahrung- geht das Wasser zurück. Eine günstige Gelegenheit, die das Schicksal hier bereit stellt und doch braucht es Stunden, die Ural-Maschinen durch den Fluss zu ziehen und das Gepäck, das ja allein schon etliche Kilos wiegt, via Seilsystem zur anderen Seite des Flusses zu transportieren. Die eingestürzte Brücke hier ist dabei ein trauriger Anblick und Zeugnis längst vergangener Zeiten. Die Ironie zwingt sich mir auf: Es wäre aber auch viel zu einfach, schlicht über eine Brücke zu zuckeln. Was hätte man schon zu erzählen?

Die Verzweiflung ob des Kräfte zehrenden Aktes, der sich ganz bestimmt noch einige Male wiederholen wird, zwingt zur Überlegung, die Motorräder zurück zu lassen und den Rest der Strecke zu Fuß zu gehen. Die Vorräte neigen sich ihrem Ende, der Sprit wird knapp und das letzte Essen wird trotz Rationierung und dem gestrigen Verzicht auf feste Nahrung hier aufgebraucht. Eine Überlegung also, die nicht unlogisch ist, denn die Maschinen halten auf, wo fahren kaum mehr möglich ist, wo Flussüberquerungen unendlich viel Zeit kosten.

Die Nacht kommt, das Lager wird aufgeschlagen, ein letztes Mal wirklich gegessen, das Feuer trocknet die Klamotten mäßig und der Schlaf ist wenig erholsam, eher unruhig.

Im Aufstehen fällt dann die Entscheidung, drei Motorräder zurück zu lassen, alles Nötige auf den zwei besten Urals zu verstauen und mit diesen weiter zu fahren. Die Angst als ständiger Begleiter, auf einen noch größeren Fluss zu treffen, auf einen Strom, der wirklich und endgültig nicht überquerbar ist.

Neun Tage sind vergangen seit das leavinghomefunktion Projekt Tomtor und also die letzte Zivilisation verlassen haben. Neun beschwerliche Tage, die den Jungs und Mädels alles, aber wirklich alles abverlangt haben. Neun Tage, die Angst und Respekt vor der Wildnis hießen, die Wut und Hass auf Sümpfe, Verzweiflung und Kraft hießen, die zur Neige geht, die Hunger hießen und Entbehrung und es liegen noch etliche Kilometer vor ihnen. Da ist der Anblick von Häusern in der Ferne zumindest ein Hauch von Erleichterung, auch, wenn es sich schnell herausstellt, dass diese Häuser nichts anderes sind, als Teile der Geisterstadt Kadykchan. Fünf Kilometer vor diesem Ziel dann der nächste, riesige Fluss. Wieder eine Brücke, die mal eine war, die in Trümmern liegt, deren Stümpfe diesseits und jenseits des Stromes wie ironisch grinsende Mahnmale in den grauen Himmel ragen und wie Schicksalsstimmen ein Lied von Verzweiflung singen.

Die Geisterstadt... Bildquelle: http://de.mystockphoto.com/photograph/ghost-town-of-kadykchan-gallery-stickboy-daily-273265
Die Geisterstadt... Bildquelle: http://de.mystockphoto.com/photograph/ghost-town-of-kadykchan-gallery-stickboy-daily-273265

Die Gruppe entscheidet, nun auch die letzten beiden Maschinen zurückzulassen und mit Kanistern loszulaufen. Auf der anderen Seite des Flusses steht ein Mann. Ich glaube, ich hätte in dieser Situation an Engel geglaubt, was unter anderem die Tatsache bestärkt hätte, dass dieser Mann den sechs jungen, völlig durchnässten und am Ende ihrer Kräfte scheinenden Menschen ein Brot schenkte. „Es dauerte wirklich nur Sekunden, bis wir den Laib komplett gegessen hatten.“ sagt Elisabeth, die einmal mehr von der Freundlichkeit der Menschen hier in Sibirien schwärmt.

Weitere fünf Kilometer später stoppt das Team einen Linienbus, der sie nach Myaundzha bringt, einer kleinen Stadt mit rund 1700 Einwohnern in der russischen Verwaltungsregion Oblast Magadan. Hier gibt es etwas, das wie ein Segen sein muss, nach neun Tagen Strapazen und Hunger. Ein Supermarkt. Ein „Festmal“ sagt Elisabeth, das sie direkt vor dem Markt zelebrierten.

Nach einer Nacht in richtigen Betten in der örtlichen Arbeiterherberge erfahren die wieder zu Kräften Gekommenen erneut die russische Gastfreundschaft. Nicht nur, dass alle Sechs kostenlos in dieser Herberge übernachten durften, die Menschen hier schenken den Fahrenden insgesamt 90 Liter Benzin, weil die nächste Tankstelle etwa 100 Kilometer entfernt ist. Außerdem erklären sich einige bereit, den Jungs und Mädels zu helfen, die Motorräder über den Fluss zu bringen.

Die Sechs machen sich auf den Weg zurück zu ihren Urals, holen die anderen drei Motorräder, verbringen noch eine Nacht am Ufer des letzten Flusses und beginnen am nächsten Tag mit dem Übersetzen der Maschinen. Just als Johannes Gefährt an der anderen Seite ankommt, kommt ein großer Ural-Truck am Ort des Geschehens an. Alexej und Tolik, aus Myaundzha haben also Wort gehalten und mit vereinten Kräften geht es etwas einfacher, die anderen Vehikel übers Wasser zu bekommen.

Das Schlimmste scheint überstanden, ein Abschied steht bevor

Die letzte Nacht am Fluss geht dahin, Kontakt mit Bären gab es glücklicher Weise nur in Form von Spuren im Schlamm und nun wartet die Geisterstadt Kadykchan darauf, besichtigt zu werden. Etwas weiter entfernt liegt dann der kleine Ort Myaundzha, wo nun wichtige Schweißarbeiten an den Urals vorgenommen werden können, wo Elisabeth den Kamaz eines Einheimischen fahren darf, bevor dann am Abend ganz traditionell in einer Banja sauniert wird. Nach einem Streckenabschnitt der nicht nur Nässe bedeutete, sondern vor allem auch Kälte, sind die Temperaturen dieses traditionellen russischen Dampfbades, die zuweilen die 100 Grad überschreiten, ganz sicher ein Genuss gewesen.

 

In den folgenden Tagen geht es dann vorbei an Susuman nach Yagadnoe, wo die Abenteurer bei Fjodr, einem dort lebenden Einheimischen ein festliches Mal vorgesetzt und einen Platz zum Schlafen bekommen. Einmal mehr erfahren sie hier Unterstützung durch einen Bikerclub. Dieser hier heißt „Polareulen“ und Fjodr gehört ihm an.

Am nächsten Tag besuchen die leavinghomefunktion Leute ein privates Gulagmuseum, Johannes Maschine bekommt einen neuen Beiwagen, die Bremsen der Urals werden gereinigt und zum Abend gibt es Speck und Kartoffeln.

Eine weitere sibirische Nacht vergeht, Kaupos Motor (bzw. der seiner Ural) wird überholt, endlich können auch wichtige, liegen gebliebene Arbeiten verrichtet werden, die der Internetzugang hier ermöglicht.

Und so sind wir bei Tag 16 nach dem Start auf die Road of Bones. Ein Tag mit Wehmut, denn Pedro, der nun einige Wochen treuer Begleiter der leavinghomefunktion war, verlässt die Gruppe in Richtung Magadan, jenen Ort, an dem auch der Rest bald ankommen wird.

 

Für unsere Freunde soll es mit den Motorrädern weitergehen. Nicht jedoch, ohne weiter vom Pech begleitet zu sein. Kaupos Reifen ist platt, bei Anne versagen die Lampenhalterungen und die Zylinderkopfdichtung. Oleg, der Besitzer eines Kamaz, schleppt die defekte Maschine ab, es geht straight Richtung Magadan, den letzten Punkt in Sibirien, den Punkt, an dem diese lange, sehr lange zweite Etappe enden wird.

Pedro in einem der Nachtlager direkt auf der "Straße"
Pedro in einem der Nachtlager direkt auf der "Straße"

Die letzten 370 Kilometer geht es durch leere Städte durch eine Landschaft, die Elisabeth mit „Goldgräberlandschaften“ vergleicht. Endlich wieder Strecke machen. Endlich wieder fahren, den Wind spüren ohne nervige Stops, Flussüberquerungen und Pannen. Schon zwei Tage später, nach der letzten Nacht in der Wildnis, kommen Anne, Kaupo, Johannes, Elisabeth und Efy in der russischen Hafenstadt an, die mit fast 100.000 Einwohnern wohl zu einer der größten Städte dieser Region gehört. Das erst 1929 gegründete Magadan liegt an zwei Buchten des Ochotskischen Meeres und war bis zum Ende der Sowjetunion Sperrgebiet.

Ziel erreicht. Aufatmen und Erleichterung nicht nur bei den (nun wieder) fünf jungen Leuten. Auch die Eltern, Geschwister, all die mitfiebernden Verwandten und Freunde dürften inzwischen wieder wesentlich ruhiger sein. Das Schlimmste ist überstanden. Oder doch nicht?

Nun heißt es erst einmal reinigen und verschiffen der Motorräder. Der örtliche Biker-Club, vor allem Alexsei sind hier wertvolle und tatkräftige Helfer. Zunächst werden die Ural-Maschinen nach Vladivostok verschifft, bevor sie auf die weitere Reise nach Kanada gehen.

Und Vladivostok ist auch Ziel des menschlichen Parts des leavinghomefunktion – Projektes. Von hier aus geht es zuerst nach Seoul, eine der größten Metropolen der Welt und einige Tage später ins Winterlager nach Vancouver in Kanada.

Immer wieder Reparaturen ... irgendwo auf der Road of Bones
Immer wieder Reparaturen ... irgendwo auf der Road of Bones

Und an dieser Stelle enden auch wir. Das Jahr war ein erfolgreiches, ein abenteurliches, ein zuweilen aufreibendes, aber auch atemberaubendes Jahr. Nun heißt es für die Fünf arbeiten, die Projektkasse füllen und die dritte Etappe planen. Was genau Anne, Efy, Johannes, Elisabeth und Kaupo in Vancouver machen, Elisabeths Gedanken zu dem "Kulturschock", aus der Wildnis in die reizüberflutete Zivilisation zu kommen und vage Zukunftspläne erfahren wir zwischen den Feiertagen. 

Euch allen, die Ihr treue Leser und Leserinnen seid, die Ihr mitfiebert und nachfragt, die Ihr mir hin und wieder schreibt will ich an dieser Stelle DANKE sagen. Danke für Eure Aufmerksamkeit! Danke für Eure Treue! Danke für Euer Interesse! 

Ich wünsche Euch allen besinnliche, friedliche und warme Feiertage, einen guten Jahreswechsel und ein gesundes, erfolgreiches Jahr 2016.

M.Kruppe


Auf dem Landweg nach New York - Etappe zwei - Teil VIII

Einige von Euch haben sich sicher schon das ein oder andere Mal gefragt, ob dieser Kruppe keine Lust mehr hat, die Berichterstattung über das leavinghomefunktion Projekt weiterzuführen. Dem ist nicht so. Dieser Kruppe wartet und wartet seit geraumer Zeit auf Kontakt zu den Jungs und Mädels der „fahrenden Zunft“ und muss gestehen, dass es nicht leicht ist, diesen herzustellen. Und dieser Kruppe wartet eben schon lange auf die Freigabe des letzten Artikels seitens der Uralisten.

Ich will etwas vorgreifen, um mich zu erklären: den folgenden Bericht habe ich vor einigen Wochen bereits verfasst und bis heute gewartet, ob es da nicht doch noch Korrekturwünsche gibt.

Aber Anne, Johannes, Elisabeth, Kaupo und Efy sind aktuell schwer beschäftigt, die Projektkasse, die durch unzählige Reparaturen und andere ungeplante Zwischenfälle geschröpft ist, wieder aufzubessern. Zu diesem Zwecke griffen sie auf Plan B zu, unterbrachen ihre eigentliche Tour und sind derzeit in Vancouver / Kanada, wo sie sechs tage die Woche arbeiten, damit New York nicht nur ein Wunschziel bleibt. Diesem Umstand ist die Tatsache geschuldet, dass wir bislang nicht wieder „zusammenkamen“ und mich das schlechte Gewissen Euch gegenüber plagt, denn auch, wenn einige ganz bestimmt wegen des unregelmäßigen Turnus schon keine Lust mehr haben, weiter zu lesen, wo und wie es unsere fünf Freunde durch die Welt treibt, andere aber sind vielleicht noch dabei, noch immer interessiert und daher auch ein wenig enttäuscht, dass es so still geworden ist.

Dem soll nun entgegen gewirkt werden. Ohne Zustimmung der leavinghomefunktion Leute will ich den vorletzten Artikel der zweiten Etappe und für dieses Jahr nun endlich zur Verfügung stellen und hoffe, mir damit keinen Ärger einzuhandeln.

Wenn fast nichts klappt... – Resignation ist etwas für Anfänger

Das Telefon klingelt. Passt mir eigentlich gerade gar nicht, weil ich am Bericht Etappe II Teil sieben sitze und für gewöhnlich im Schreiben keine Anrufe entgegen nehme. Trotzdem schiele ich kurz aufs Display, das mein kleines Arbeitszimmer erhellt. Dort steht leavinghomefunktion – Johannes. Keine Frage, ich unterbreche meine Arbeit und lasse meinen Finger über die glatte Oberfläche in des „Annehmen“ Buttens gleiten.

Freudige Begrüßung, die mit etwa fünf Sekunden Verspätung am „anderen Ende“ ankommt.

Johannes ist gut gelaunt, fragt zunächst nach meinem Befinden, aber was ist das schon gegen die Neugier, wie es dem abenteuerlustigen Quartett geht. Und sogleich legt Johannes los, spricht in einem Redeschwall, dass es mir schwer fällt, ihn zu unterbrechen, weil ich mit dem schmieren der Notizen nicht hinterher komme. Und so kritzele ich Buchstaben auf die stets bereit liegenden weißen Zettel, für den Fall dass einer der inzwischen selten gewordenen Anrufe kommt.

Beinahe euphorisch erzählt der 31 jährige Weltenbummler was in den letzten Tagen los war, was vor ihnen liegt und dass sie aktuell am kältesten Punkt der Erde sind. Ich verstehe ihn nur schlecht, muss mir vieles von dem, was er sagt, zusammenreimen und komme nur mit Hilfe von google und wikipedia tatsächlich dahinter, wo genau das Quintett gerade Station macht.

Oimjakon, ein 460 Einwohner Dorf im Osten Russlands. Genauer gesagt im Osten der Teilrepublik Sache (Jakutien). Wikipedia erklärt mir, dass das Dorf als der „Kältepol aller bewohnten Gebiete der Erde“ darstellt. Wörtlich könnte man das jakutische Wort am ehesten mit „heiße Quelle“ übersetzen.

Und heiße Quellen sind wohl angebracht. Derzeit herrschen Temperaturen von circa zwei bis drei Grad Celsius. Das nennt sich dann dort „Sommer“. Im Winter wird es hier durchschnittlich Minus Fünfzig Grad kalt. Am 6. Februar 1933 wurden sogar -67,8 Grad gemessen.

Freiwillig, sagt Johannes, wohnen die Leute hier nicht. Einst gab es hier alle zehn Kilometer ein Gulag und die Menschen, die hier leben, seien ausnahmslos Nachkommen ehemals hier Gefangener.

„Jetzt kommt der haarigste Punkt unserer Reise.“ sagt Johannes und wird etwas ruhiger. Seine anfänglich fast schon euphorische Stimmung legt sich etwas, er wird nachdenklicher, bedachter im Ton. „Auf uns warten 300 Kilometer ohne Zivilisation. Kein Handy-Empfang, kein Internet, keine Straßen. Selbst die Ural-Trucks kommen auf dieser Strecke kaum durch. Es ist Sommer, Brücken sind weg geschwemmt, Wege schlammig und schwer passierbar. Aber wir wollen es trotzdem versuchen.“

Mein erster Gedanke: die sind wahnsinnig!

Aber ist es nicht genau das, was es braucht, um eine solche Tour überhaupt anzugehen? Ein kleines bisschen Wahnsinn ist, denke ich, schon von Nöten, die Sachen zu packen, im Wissen auf Verzicht von Luxus und Bequemlichkeit. Und dieses keine bisschen Wahnsinn ist ganz sicher auch ein Grund dafür, dass die Fünf seit einem Jahr von Panne zu Panne, von Grenze zu Grenze, von Abenteuer zu Abenteuer, zu glücklichen Momenten und solchen der Verzweiflung fahren.

Seit einem Jahr begleite ich die Fünf nun schon indirekt auf ihrem Trip und eben dieser bisschen Wahnsinn war stets mit dabei.

Nun aber komme auch ich zum ersten Mal wirklich in Wanken, und Überlegungen drängen sich mir auf, Worte der Zurückhaltung und der Skepsis zu sprechen. Ich hatte nicht eine Sekunde Zweifel bisher, aber wenn selbst Einheimische, wie mir der Hallenser Künstler erzählt, davon abraten, die geplante Strecke auf der „Road of Bones“ zu fahren, es weder Handy- noch Internetempfan gibt und nicht einmal ein Sateliten-Telefon vorhanden ist, weil Selbiges irgendwo auf dem Postweg in Deutschland klemmt, dann kribbelt es mir schon ein bisschen im Magen. Und dieses Kribbeln ist ganz sicher kein Schmetterlingsschwarm schöner Gefühle, sondern wahrhaft Angst um die Fünf, die ich Freunde nenne.

Johannes weiß zu beruhigen und ich weiß im Grunde auch, dass leavinghomefunktion auch bedeutet, keine Risiken einzugehen, die absolut unnötig sind, keine Wagnisse, die die Kompetenzen der wissentlichen Zumutbarkeit eines jeden Mitglieds übersteigen. Alles, und das weiß ich, ist wohl überlegt, kalkuliert und bedacht. Dies als ein Fakt, der sich über den Wahnsinn schiebt, denn wir können das Quintett „verrückt“ nennen, dumm und lebensmüde sind sie definitiv nicht.

Und schon ist da wieder die Euphorie in Johannes Stimme: „Das wird echt anstrengend und tatsächlich extrem krass, aber eben auch geil!“ sagt er und erzählt, dass sie gestern in einem Bauwagen schliefen, der ihnen Sicherheit vor den hier lebenden Bären gab.

„Heute Mittag sind wir dann in Oimjakon angekommen. Wie in den letzten Wochen oft, wurden wir bereits erwartet und freundlich empfangen. Mit dem Dorfschweißer haben wir meinen gebrochenen Rahmen geschweißt.“

Den letzten Asphalt haben sie vor drei Wochen gesehen. Seither sind sie auf schlammigen Pisten unterwegs. Auf solchen Wegen die russischen Ural-Motorräder zu steuern ist nicht einfach. Und so kam es, wie es kommen musste.

Auf einer steinigen Strecke brach das Rad von Kaupos Beiwagen. Dieser schlug auf den Boden und zog so die gesamte Maschine herum und brachte sie zum Überschlagen. Kaupe selbst wurde durch die Wucht in den Wald geschleudert, verfehlte -ein Hochlob der Schar an Schutzengeln- drei Bäume und landete, zwar unsanft aber doch verhältnismäßig weich, auf dem moosigen Boden. Dem nicht genug schlug nun der sich verselbständigte Beiwagen auf den Esten.

Bilanz des horriblen Geschehens: keine ernst zu nehmenden Verletzungen, ein zerschürftes Gesicht, ein blitzeblaues Gesäß, und ein Beiwagen, der nicht mehr brauchbar ist. Glück im Unglück quasi und das gleich doppelt, denn abgesehen von dem glimpflichen Ausgang des Unfalls wurde das Team von einigen Trucks begleitet, die Zeugen waren und sofort hilfreich zur Seite standen. Sie luden Kaupos Gepäck auf und transportierten es, denn der Beiwagen war nicht mehr zu benutzen. Kaupo fuhr seine Ural von da an vorerst auf nur zwei Rädern.

200 Kilometer später kommen die Damen und Herren an die einzige Tankstelle weit und breit und schlagen dort ihr Lager auf. Ein neuer Beiwagen muss her und glücklicher Weise gibt es punktuell Internet. Schnell ist einer gefunden. Anne und Pedro (der Kolumbianer, der sich dem Tross anschloss) fahren mit einem der Trucker ins 300 Kilometer entfernte, einste Goldgräber-Nest Ust Nera, um den neuen Beiwagen dort „irgendwie“ abzuholen. Die Anderen bleiben zurück, ohne Handy-Empfang, ohne Internetzugang, ohne Satelliten-Telefon. Die Gruppe ist kommunikationslos von einander abgeschnitten. Das Ganze Unterfangen wird mindestens zwei Tage in Anspruch nehmen.

Als aber auch nach vier Tagen keine Nachricht von den beiden Abtrünnigen kommt, beginnen Elisabeth, Johannes, Efy und Kaupo, sich Sorgen zu mache. War das richtig, die Zwei einfach mitfahren zu lassen? Was es gut, so viel Vertrauen zu haben?

Mitten in der Nacht hält bei den Wartenden dann plötzlich ein heruntergekommener Twingo.

„Die Karre hatte nicht einmal eine Frontscheibe, keine Kotflügel und so“ lacht und Johannes und erzählt weiter: „Der Typ steigt aus und quatscht uns zunächst auf russisch voll. Wir haben versucht, ihn zu verstehen, aber der war so betrunken, dass selbst ein Russe das kaum verstanden hätte. Dann übergab er uns einen Zettel und fuhr wieder weg.“

Eine surreale Situation. Da kommt ein Typ aus einer 300 Kilometer entfernten Stadt, hackedicht, mit einem Auto, das eigentlich keins mehr ist, übergibt einen Zettel und fährt 300 Kilometer zurück. Dazu muss man wissen, dass die Leute vom leavinghomefunktion – Projekt dort inzwischen Berühmtheiten sind. Nach ihrem Auftritt im russischen Fernsehen kennt sie förmlich jeder und jeder will helfen, will begrüßen und fiebert den den Leuten aus dem Westen mit. Da kann es schonmal vorkommen, dass ein (über-)eifriger „Einheimischer“ dieses Wagnis eingeht, um eine Nachricht zu überbringen.

Was aber stand nun eigentlich auf diesem Zettel? Anne schreibt, dass ein Beiwagen gefunden ist, dass außerdem Federn bestellt sind, die die gebrochenen Stoßdämpfer von Elles Motorrad ersetzten werden und dass das Duo am nächsten Tag um neun in einen Truck steigen wird, der sie zum Lager der Wartenden bringt. Aufatmende Erleichterung.

Aber auch nach inzwischen fünf Tagen sind die Beiden noch nicht zurück. Stattdessen hält, erneut mitten in der Nacht, ein Jeep an der Tankstelle, die im Grunde nichts anderes ist, als ein Truck, an dem Benzin gezapft werden kann, aber Lager der wartenden Vier also. Die Post ist da. Ein Paket aus dem 600 Kilometer entfernten Jakutsk. Drinnen die angekündigten Federn.

Und wenn ich sage Post, meine ich Folgendes: da die „Deutschen“ ja weit und breit bekannt sind und jeder helfen will, wird in Jakutsk ein Paket aufgegeben, auf dem steht: „an die deutschen Motorradfahrer“. Ein bereitwilliger Trucker nimmt dieses Paket auf seiner Strecke mit, übergibt es einem anderen, der in die Richtung fährt, der es dann wieder einem anderen übergibt und so gelangt die Post zum Adressaten. Beinahe problemfrei. Etappenlieferung in die Pampa.

Am sechsten Tag des Wartens dann endlich die Erleichterung. Ein LKW hält, Anne und Pedro steigen aus und laden einen völlig verrosteten Beiwagen ab. Soweit so gut. Allerdings gibt es da auch noch eine schlechte Nachricht, denn Anne hat ihren Schlafsack in dem Ort vergessen, in dem sie den Beiwagen „fanden“. Schlafen, am kältesten Ort der Welt, ohne Schlafsack... keine schöne Sache!

Einige Kilometer entfernt gibt es Empfang und Anne telefoniert mit Leuten aus dem Ort. Die versprechen, den Schlafsack zu bringen, was einige Zeit dauern wird, denn dieser Ort liegt, wie erwähnt, 300 Kilometer entfernt. Nach vier Stunden ein Anruf. Das Auto, das den Schlafsack transportiert, hat eine Panne, irgendwo im Nirgendwo, aber das corpus delikti soll einem Trucker übergeben worden sein, der hier vorbeikommen soll. Der aber lässt auf sich warten. Die Nacht kommt. Eine unbequeme Nacht. Eine kalte Nacht. Die fünf liegen eng beisammen um sich gegenseitig zu wärmen bis sie von einem Motorengeräusch geweckt werden. Erfreut gehen sie dem LKW entgegen, doch der Schlafsack ist nicht da. Den habe der Fahrer seinem Bruder übergeben, weil der schneller sein sollte. War er nicht. Und im Grunde glauben die Fünf das auch nicht. Warum sollte das stimmen, wenn der Fahrer doch sowieso hier vorbei kommt? Die Hoffnung ist dahin, Frust macht sich breit und es wprd überlegt, wo zur Hölle man nun einen neuen Schlafsack herbekommen könnte. Fertig zur Abfahrt steht das Quintett an der Straße, also plötzlich ein weiterer Truck kommt und das Ding tatsächlich dabei hat. Wären sie nur drei Minuten eher losgefahren, hätten sie ihn nie wieder gesehen. So aber hat einmal mehr ein Trucker den Jungs und Mädels „den Arsch gerettet“ wie Johannes sagt, denn „ohne Penntüte bist du hier aufgeschmissen.“

Und so kommen die Damen und Herren dann doch recht unversehrt in Oimjakon an, können sich ausruhen und auf die 200 Kilometer (Off-) Road of Bones vorbereiten über die ich an dieser Stelle bald berichten werde.  


Auf dem Landweg nach New York - Etappe zwei - Teil VII


Es ist endlich soweit. Der neue Bericht, der die letzten Monate umfasst, ist endlich da.

Ich habe grünes Licht, die nächsten Beitrage ohne Korrektur des leavinghomefunktion – Projektes zu veröffentlichen, da -wie gesagt- die Verbindung aktuell sehr schlecht ist.

Und wir wollen auch gar nicht viel Zeit verlieren, sondern direkt da weiter machen, wo wir aufgehört haben.

Quelle: http://www.monsenstein-und-vannerdat.de/leavinghomefunktion_70.html


Pannen, Schmutz und Polizei

Nach vier herrlichen Tagen geht’s zurück auf die Straße, straight away to Aqtöbe, obwohl „straight away“ etwas übertrieben ist, denn kaum verlassen die Fünf Uralsk, müssen sie schon wieder stoppen. Diesmal sind es die Kupplungsschrauben, die sich bei Annes Motorrad herausgedreht haben. Einmal mehr gehen Stunden ins Land, die Panne zu beheben, auch, wenn dieses Land eine besondere Erwähnung im Bericht findet: „Weiter geht es auf dem Weg durch eine Landschaft, wie man sie sich bei 'From Dusk Till Down' vorstellt. Grasbüschel fliegen über die Straße, alles ist trocken.

Sie schaffen es bis Aqtöbe, der kasachischen Stadt, die auf deutsch soviel heißt wie „weißer Hügel“, aber Kaupos Ural krankt. Und kranken ist hier stark untertrieben, denn Johannes Elisabeth schreibt: „Kaupos Motorrad ist mal wieder ein Wrack. Erneut werden die Kolben getauscht, was sich bis in die Nacht hinzieht.“ Dabei bekommen sie Unterstützung von örtlichen Bikern, die ein riesiges Netzwerk an Leuten unterhalten und nicht nur helfen wollen, sondern auch können. Trotzdem schafft es die Maschine des Esten gerade bis zu einem kleinen See, wo das Quartett erneut zwei Tage fest sitzt und sich der Rettung des Motorrades widmen muss.

Dem nicht genug bricht die Karre in Komsomolsk dann endgültig zusammen. In der 264000 Einwohner Stadt der russischen Föderation erleidet das Sorgenkind seinen Totalzusammen- weil Kurbelwellenbruch. Trotz der Größe dieser Stadt findet sich kein Ersatz. Ein Mann, der den Fünfen durch ein „Merseburg-Tattoo“ auffällt, versucht ein Geschäft mit der Not und will Kaupo eine schrottreife Ural für siebenhundert Dollar (!!!) anzudrehen. Lächelnd wird verzichtet und ein Plan geschmiedet. Bis zur nächstgrößeren Stadt sind es fünfhundert Kilometer. Der inzwischen unmotorisierte Este und die Zypriotin Efy haben die Chance, mit einem Trucker nach Kostanai zu fahren. Das verschafft den Beiden Zeit, sich dort nach Ersatz umzusehen, während Anne, Johannes und Elisabeth die Strecke mit ihren Maschinen zurücklegen.

Kaupos "grüne Elise Lindenhorn"

Quelle: http://www.monsenstein-und-vannerdat.de/leavinghomefunktion_70.html

Erschöpft, nass und durchgefroren von einem schweren Gewitter, das das Trio überkam und sie zwang, die Nacht in einer Bushaltestelle zu verbringen, kommen sie in der Hauptstadt des kasachischen Gebietes Qostanai an, wo sie schnell Mitglieder des Bikerclubs R19 kennen lernen. „Die Jungs stecken uns in die Sauna und waschen uns die Rücken, bis wir wirklich sauber sind“ - schreibt Elisabth, und weiter: „Nun stehen viele Tage schrauben an. Kaupos Ural bekommt einen neuen Motor, den Rest der Maschinen warten wir zusammen mit den R19 Bikern.

Zusammen mit den neuen „Freunden“ begehen die leavinghomefunktion – Leute den 9.Mai, der als „Tag der Befreiung“ gefeiert wird. Im Tross geht’s zum Kriegsdenkmal, wo Blumen niedergelegt werden. Eine intuitiv nicht nur solidarische Geste der Völkerverständigung, sondern auch ein milderndes Unterfangen, wie sich später herausstellen soll, denn einige Tage später werden die Fünf unsanft geweckt. Inzwischen schreiben wir den 12. Mai. Es klopft martialisch an die Tür. Verschlafen öffnet Johannes und ihm gegenüber stehen Uniformierte, die sich nach Anne und Elisabeth erkundigen und schlussendlich festnehmen. An der Grenze zu Kasachstan haben die Beamten vergessen, einen wichtigen Stempel in die Pässe der beiden Mädels zu drücken, weswegen nun die Migrationspolizei und die Staatsanwaltschaft auf dem Plan steht. Bereits einen Tag später findet die Verhandlung statt. Ich möchte nicht wissen, wie sich die Fünf, wie sich vor allem Anne und Elisabeth gefühlt haben. An deren Stelle hätte ich die schlimmsten Horrorverstellungen gehabt, mir wären wüste Bilder durch den Kopf gegangen und das Wort Testament hätte nicht nur einmal in meinem Kopf gespuckt.

Aber alles ist gut. Die Beiden werden aufgrund der Tatsache frei gesprochen, keinen Anwalt zu haben und bekommen die Auflage, einen Brief zu unterschreiben, in dem steht, dass das Gericht hervorragende Arbeit geleistet hat. Milde stimmte den Richter auch, dass die Damen und Herren ehrfürchtig Blumen niederlegten, am denkwürdigen Tag der Befreiung, freiwillig und wohl aus einer inneren Überzeugung heraus, die dem Mann offenbar imponierte.


Nun aber nichts wie weg. Die Sorgenural hat einen neuen Motor, die anderen Maschinen sind gewartet, weiter soll es gehen, und zwar flink, raus aus dieser Stadt, immer in Richtung Astana. Und schon wieder ist es Kaupos „grüne Elise Lindenhorn“ die nicht mehr weiter will. Diesmal steigt die Elektrik aus, sodass ein neuer Kabelbaum gezogen werden muss. „Wir verbringen zwei Nächte im Hotel, weil die Elektrik vom Vorbesitzer äußerst gewitzt geregelt war und all das viel Zeit in Anspruch nimmt“ schreibt Elisabeth.


Und dann doch. Am 18.5. erreicht das Quartett Astana, eine „völlig absurde Stadt, die aus dem Wüstenboden gestampft wurde“ wo sie Nulan kennen lernen, einen Biker und Grafik Designer, dessen Beruf hier eher unbekannt ist. Der zeigt den Abenteurern die Stadt und endlich ist auch Kaupos Pass mit dem Russland-Visa fertig und wird ausgehändigt.


Pawlodar ist das nächste Ziel, das zu erreichen diesmal durch die Witterung erschwert wird: „Strömender Regen und Wind wehen uns fast von der Straße und lassen uns fast blind durch die Steppe fahren. Die Nacht verbringen wir schraubend in einer riesigen Garage.


In Pawlodar, kurz vor der Grenze zu Russland, selbst erhalten die Fünf endlich ein neues Navigationssystem. Nützlich und sicher schwerstens vermisst.


An der russischen Grenze dann, wir schreiben inzwischen den 22.05. werden die Damen und Herren von einem schweren Gewitter geweckt, das sie unter ihr Tarp flüchten lässt.

Als das Wetter etwas besser wird, geht’s zum Grenzübergang. Kasachstan soll nun hinter ihnen liegen und ein weiterer grüner Haken an der geographischen Konzeption des leavinghomefunktion – Projektes sein. Die Grenzbeamten sind freundlich und schmunzeln, als sie die Inhalte der Beiwägen inspizieren. Warum, verraten die Fünf nicht.

Quelle: https://www.facebook.com/leavinghomefunktion/photos/a.1475766159336409.1073741828.1469984683247890/1613753612204329/?type=3&theater

Auf dem Weg nach Barnaul, der russischen Hauptstadt der Region Altai im Süden Westsibiriens, die mit ihren 613000 Einwohnern eine doch recht große Stadt ist, nächtigen Anne, Elisabeth, Johannes, Kaupo und Efy in den Wäldern, umgeben von tausenden Moskitos.

In der Stadt selbst, die nebenbei bemerkt die Geburtsstadt der deutschen Sängerin, Songschreiberin und Produzentin Julia Neigel ist, die hier 1966 auf die Welt kam, warten einige Pressetermine und ein Treffen mit Sergei, einem der Organisatoren der Rally Paris-Peking.

Vorbereitungen auf den nächsten Streckenabschnitt, die Mongolei, werden getroffen, bevor es dann weiter ins Altai Gebirge geht.

Endlich wandelt sich die Landschaft. Berge, unendliche Birkenwälder, die Meschen sehen asiatisch aus, sind oftmals recht betrunken und schnorren Zigaretten. Einsame, kleine Dörfer, simple Holzhütten, sehr gute Straßen, wie die Alpen vor zweihundert Jahren“ schreibt Elisabeth und ich frage mich, wie alt sie wirklich ist, bzw. woher sie so genau weiß, dass so die Alpen vor zweihundert Jahren aussahen.


Bei einem Breakdown am 29.5. lernt das Quartett zwei Kolumbianer kennen. Pedro und Daniel haben einen ähnlich langen Weg hinter sich. Unter dem Titel „columbia – around the world“ fuhren sie bereits durch Südamerika, Afrika, über Israel nach Georgien, weiter nach Russland und sind hier, bei den drei Deutschen, der Zypriotin und dem Esten. Diese Internationalität will gefeiert werden und so entscheiden die nun Sieben, zusammen zu campen.

Kaupos Motorrad ist noch immer nicht hundert Prozent auf Vordermann. Ein neues Zahnrad für die Nockenwelle wird benötigt und so machen sie sich in der dünn besiedelten Region auf die Suche, werden tatsächlich fündig und schrauben zwei Tage, während drei weitere Motorradreisende (Martin, Martin und Dirk) gastieren.

Die Mongolei, neue Freunde und ein Überfall

The Show must go on“ … oder sollte ich besser sagen: „The trip must go on“. Kaupos Maschine läuft und so führt der Weg nun durch eine atemberaubende Landschaft. „Wir sind sehr hoch, schneebedeckte Berge umgeben uns, riesige Adler fressen aus Mülltonnen, es ist herrlich“ lese ich in der Stichpunkt-artigen Mail. 

Quelle: https://www.facebook.com/leavinghomefunktion/photos/a.1629199523993071.1073741841.1469984683247890/1629438167302540/?type=3&theater


Angekommen an der russisch – mongolischen Grenze in Kosh Agach verbringen die „glorreichen Sieben“, denn die beiden Kolumbianer sind noch immer dabei, die Nacht, weil der Grenzübergang kurz vor ihrer Ankunft einfach schließt.

Am nächsten Tag, der Kalender bezeugt den 30.6.2015, steht vor dem Eintritt ins „Land der Nomaden“ zunächst ein zwangsreinigen der Motorräder an. Quarantäne für den Schmutz der Kilometer. Und wo ein Schild das Staatsgebiet der Mongolei offiziell ausschriebt, enden die asphaltierten Straßen.

Wer die Wahl hat, sagt man, hat die Qual. Und so fällt die Entscheidung schwer, welcher der vielen Feldwege, die sich vor dem nunmehrigen Septett die Hügel hinauf schlängeln, der richtige wäre.

Quelle; https://www.facebook.com/leavinghomefunktion/photos/a.1629199523993071.1073741841.1469984683247890/1629438323969191/?type=3&theater

Und offenbar entscheiden sie intuitiv richtig, denn ein anderer dieser Feldwege hätte sie vielleicht bei dem Falkner vorbeigeführt, bei dem die Sieben stoppen und die Chance bekommen, einen der riesigen Adler auf dem Arm halten zu können. „Menschen...“ schreibt Elle, „leben in hier in Jurten zusammen. Manchmal bis zu drei Generationen in einem winzigen Zelt. Es sind Nomaden, die unglaublich viele Herdentiere haben. Hunderte Pferde, Ziegen, Schafe und Kamele.

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Auf ihrem Weg durch Städte wie dem 1988 Meter hoch gelegenen Olgii oder Chowd, einer Stadt mit ca. 30000 Einwohnern, kommen sie an Duschhäusern vorbei, was sicherlich eine willkommene Abwechslung ist.

Im „Hinterhof“ einer Jurte stoßen die leavinghomefunktion – Leute auf zwei Beiwägen Marke Ural und können sich entscheiden, welchen sie für Kaupos Maschine benutzen wollen. Ein Exemplar ist zu einem Grill umgebaut, das andere wird zum Trocknen des hier gängigen Heizmaterials genutzt. Weit und breit gibt es keine Bäume, demzufolge kein Holz und so befeuern die Nomaden ihre kleinen Öfen mit getrockneten Kuhfladen. Im Winter können es hier bis zu -40 Grad werden.

Die Wahl fällt auf Modell Kuhfladen, genächtigt wird in einer Jurte, bevor es weiter geht durch Kilometer weites, unbewohntes Land. Auf Straßen, die keine sind, eher furchtbare Holperpisten durch Gebiete, in denen sie tagelang weder auf ein Haus, noch auf eine Jurte treffen. Ab und zu holpern Autos durch die Gegend.

Die Natur ist unwirklich schön, wir verlieren uns im Straßenlabyrinth und einen Tag später treffen wir am Altei ein. Jeden Tag müssen wir Dinge an unseren Maschinen wieder fest schweißen, mein Bike hat Lepra.“ sagt Elisabeth.

Quelle: https://www.facebook.com/leavinghomefunktion/photos/a.1629199523993071.1073741841.1469984683247890/1629438130635877/?type=3&theater

Es macht natürlich die Runde, wenn eine Gruppe Fremder durch solch dünn besiedeltes Gebiet fahren. Vor allem dann, wenn diese Fremden allem Anschein nach aus einem nicht armen Land kommen. Ich persönlich frage mich schon eine ganze Weile, seit ich über das Projekt schreibe, weswegen noch nichts ernsthaft Schlimmes passiert ist. Nicht, dass ich die Sensationsgeilheit aus Kellen geschlürft hätte, im Gegenteil, aber in meinem (vielleicht auch zu vorurteilsbehafteten) Denken lag schon von Anfang an die Furcht, dass es einst zu Vorkommnissen führt, die sehr unschön sind. Ein solches „Vorkommnis“ widerfährt dem Septett in Buutsagan. Dort nämlich werden sie von einer Horde recht junger Mongolen überfallen. Genaueres zum Hergang erzählen sie nicht, nur, dass die Polizei natürlich informiert wurde, die Täter tatsächlich am nächsten Morgen stellen konnte und verhörte, sie anschließend mitten im Dorf anketteten, woraufhin die Mütter der „Gangster“ sich versammeln und ihre Söhne aufs Übelste beschimpfen. Der Pranger, in der Mongolei offensichtlich noch eine gängige Methode der Strafe.

In Baja Khongor, der nächsten Stadt, werden dann erneut Verhöre seitens der Polizei vorgenommen, die Täter identifiziert und medizinische Untersuchungen vorgenommen, bevor es weiter zu den Dünen Mongol Els geht. Campen und Entspannen nach dem Schreck, denn glücklicher Weise ist keinem etwas zugestoßen. Auch Verluste gab es keine.

Ulan Bator ist die nächste Station. Hier wird die Reise weiter organisiert und Ersatzteile für die Ural-Maschinen besorgt. Dann geht’s zurück nach Russland, nach einem langen Tag des Wartens an der mongolisch – russischen Grenze. In Ulan Ude hilft der Bikerclub „Opposite“ beim Beschaffen weiterer Ersatzteile und die Damen und Herren lernen ihren neuen Dolmetscher Viktor kennen.


Zurück in Russland - Sibirien

Nun also Sibirien. Bis hier hin haben es die Fünf geschafft, liegen vage im Zeitplan, auch, wenn diesbezüglich Eile geboten ist und haben keine schweren Verluste oder Verletzungen zu verbuchen, sehen wir vom Überfall und den ewigen Defekten an den Maschinen ab Nun kommt der schwierigste Abschnitt der Reise und die Natur stimmt unsere Freunde direkt darauf ein. Neben der wunderschönen Landschaft, mit ihren großen Flüssen gilt es, Käfer-Attacken und Angriffe von Riesenbremsen zu überstehen.

Und dann doch das Unglück. Den Überfall in der Mongolei kaum verdaut, geschieht die nächste Katastrophe. In Peschenka, einer Stadt am großen Anjui, will Johannes, in dessen Beiwagen Efy sitzt, zu einer Tankstelle abbiegen und wird von einem vorbei rasenden Auto gestreift. Die Maschine überschlägt, aber es glücklicher Weise keine ernsthaften Verletzungen. Schürfwunden müssen behandelt werden, was in Chita geschieht, wo die Beiden in einem Lazarett behandelt werden und auch Martin und Viktor (die Motorradreisenden, die in der Mongolei auf die leavinghomefunktion – Leute stießen) wieder sehen. Die nämlich haben sich, nachdem Martin von BMW zu Ural wechselte, vorgenommen, das Septett einzuholen.

Außerdem bekommt Annes Ural hier ein neues Getriebe und während die Wunden allmählich heilen, wird fleißig geschraubt, die Maschinen für den Härtetest Sibirien präpariert.

Quelle: http://www.monsenstein-und-vannerdat.de/leavinghomefunktion_70.html

Am 8. Juli heißt es dann Abschied nehmen von den beiden Kolumbianern. „Wir haben euch während eines Breakdowns getroffen, jetzt werden wir euch, während eines Breakdowns verlassen“ sagen sie und verlassen die Gruppe. Die leavinghomefunktion ist wieder zu fünft, bzw. fünf Maschinen, sechs Menschen, denn Viktor, der Dolmetscher ist nach da, der sich immer dann, wenn er gerade keine Lust hat, den russischen Leuten das Deutsch der Fünf zu übersetzten, als „Kim aus Korea vorstellt.


In Mogotscha, einer russischen Kleinstadt in der Region Transbaikalien, treffen die Sechs die Biker aus Yakutsk, die ihnen von Yakutia, der Kultur, Natur und Sprache erzählen. „Lustige Nacht mit Ural Gott, der Kaupos Bike in Flammen aufgehen lässt“ schrieben sie und ich kann mir nicht so richtig einen Reim darauf machen, was sie meinen. (Ich verspreche, im nächsten Telefoninterview da nochmal nachzuhaken)

Wie die fünf selbst, muss auch der neue Begleiter und Ural-Frischling Martin auf dem Weg nach Yakutsk ständig an seiner Maschine schrauben. Wieder und wieder Defekte, Pannen, Reparaturen, bis Martins Ural einen Totalzusammenbruch erlebt und in Skorowodino eine neue Maschine gekauft wird. Den Motor für Martin, der Beiwagen für Anne, Elisabeth die Schutzbleche und den Tank, Johannes die Federn, Kaupo den Gasgriff. Das ist „Ausschlachten“ in Reinform.

Schrauben in Yakutsk 

Quelle: http://www.monsenstein-und-vannerdat.de/leavinghomefunktion_70.html 

Waldbrände und Bären säumen die Weiterfahrt, tausend Kilometer ohne Asphalt, durch einen endlos scheinenden Wald, keine Orte, große Distanzen und der Beweis, dass die Tour recht gut geplant ist, denn im Winter werden es hier bis zu -46 Grad Celsius. Da, wo sie auf Zivilisation stoßen, werden sie eingeladen, denn die Leute wissen immer schon vor dem Ankommen der Abenteurer, dass diese bald da sein werden. Es spricht sich herum, dass ein seltsamer Tross die Region durchfährt. Man kennt die ganze Geschichte des Projektes und wird freudig empfangen.


In Yakutsk verlassen Martin und Viktor dann die Gruppe. Dafür kommt ein neues Mitglied hinzu. Pedro fährt Martins Ural fortan und zwei Einheimische erweisen sich als unendlich gastfreundliche Helfer. Viktor und Igor helfen beim Organisieren von Sondergenehmigungen.

Ein Schatten legt sich auf das Projekt, denn alle Einheimischen sagen, dass es unmöglich ist, die Strecke wie geplant zu absolvieren. Erste Überlegungen kursieren, das Wintercamp eventuell in Japan zu errichten. Plan B und C wird geschmiedet und wie das genau aussieht, wie Anne, Elisabeth, Johannes, Kaupo, Efy und Pedro sich dann doch aufmachen, die berühmte „Road of Bones“ hinter sich zu bringen, erfahrt ihr bald hier.  

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Auf dem Landweg nach New York - Etappe 2 - Teil VI

Waghalsig ist geprahlt


Es ist nun schon eine Weile her, da der letzte Bericht online ging, und fast habe ich ein schlechtes Gewissen deswegen. Andererseits habe ich ja angekündigt, dass es von nun an notgedrungen etwas sporadischer werden wird, da die leavinghomefunktion – Leute sich jetzt in Gebieten befinden, in denen eben nicht überall W-Lan und Telefonempfang als Kommunikationsmittel zur Verfügung steht, kleinere Dörfer und größere Städte in weitem Abstand zueinander liegen und Internet- Cafés eher eine Seltenheit sind. Unvorstellbar beinahe, für uns Mitteleuropäer, nicht alle drei Minuten zum Smartphone zu greifen, um der ohnehin eher desinteressierten Gemeinde zu zeigen, was es gerade zum Mittag zu Essen gab, oder aktuelle Bilder des Stubentigers hochzuladen, die sich angeblich keiner ansieht, aber gefühlte 70% der User posten. Anyway, ich schweife ab.

Während wir die hochsommerliche Urlaubszeit zwischen Hitzerekord und Unwetter am Strand, in der Natur, im Schrebergarten und auf Balkonien verbringen, oder uns scheckig ärgern, weil die vierzehn Tage Freiheit mal wieder viel zu schnell vorbei gingen, fahren sich unsere fünf Freunde weiter in die Verzweiflung, die eine Konsequenz unendlich vieler Defekte und notwendiger Reparaturen ist. Lese ich die Notizen, die ich eben per Mail bekam, entsteht schnell der Eindruck, dass „Fahren“ kaum noch das richtige Wort ist, denn in jedem zweiten Abschnitt steht irgend ein neues technisches Defizit, das behoben werden muss.

Natürlich ist das Quatsch und freilich wird mehr gefahren, als repariert, aber es muss schon frustrierend sein, nicht einfach mal drei, vier, fünf Tage ohne Zwangsstopp auf dem russischen Traktor auf drei Rädern zu sitzen, den Fahrtwind zu genießen, die Landschaft zu genießen, das Vorankommen zu genießen, ohne die tickende Warnung im Hinterkopf, dass der Zeitplan wackelt.

Wir erinnern uns: beinahe auf die Minute erreichen die Fünf das Zwischenziel Grenze Russland – Kasachstan. Die Freude ist groß, denn keiner kennt dieses Land wirklich, die Landschaft ändert sich von jetzt auf gleich und die ersten Kamele kreuzen den Weg.


Es wäre inzwischen nicht mehr das leavinghomefunktion – Projekt, wenn alles reibungslos abliefe und wenn es nicht ein horribler Defekt wäre, der den Tross zum Anhalten zwingt, dann sind es andere Gründe. Naturgewalten zum Beispiel oder anfängliche Desorientierung auf einer neuen Etappe. Beides gleichzeitig kann auch vorkommen. Und es kommt vor. „Hier gibt es nicht nur eine Straße, sondern ein riesiges Labyrinth von Feldwegen.“ – beschreibt man die ersten Kilometer in dem europäisch – zentralasiatischen Binnenland zwischen dem Altai-Gebirge und dem Kaspischen Meer.

Und wo Feldwege sind und Regennässe, da ist auch Schlamm. Und wo Schlamm ist, besteht die Gefahr, sich festzufahren. Und Kaupo tut, was im Grunde klischeehaft zu einem solchen Trip gehört und noch unzählige Male passieren wird. Aber die Fünf wissen das, sind vorbereitet und so vergeht nicht all zu viel Zeit, den sprichwörtlichen Karren aus dem Dreck zu ziehen und sich aufzumachen nach Zabürün`e, einer kleinen Siedlung direkt am Kaspischen Meer, wo jeder Ural – Motorrad fährt. Hier wird das Vehikel sogar zum Angeln benutzt, denn man fährt damit direkt ins Wasser.


Und wo jeder Ural fährt, warten natürlich auch eine Menge Ersatzteile auf ihre solidarische Umlagerung. Sogar im Sand vergraben lassen sich kleine Schätze in Form von brauchbarem Material entdecken.

In kleinen Läden finden sich, direkt neben Zahnpasta und Waschmittel, Zylinderköpfe, Ventile, Bautenzüge und allerhand anderer notwendiger Kleinkram, womit sich das Team hocherfreut eindeckt, denn die nächsten Verschleiße kommen bestimmt.

Die Nacht“ – schreiben die Fünf „verbringen wir im Windschutz eines ausrangierten Holzbootes am Strand.“

Die Ural sollte, laut Konzept des Projektes, als Kommunikationsmittel dienen und dieses Vorhaben erweist sich immer wieder als weise Voraussicht einer vagen Hoffnung. Denn es gelingt auch hier in Kasachstan. Fünf junge, mutige Abenteuer aus Estland, Zypern und Deutschland auf fünf Ural Motorrädern erwecken Aufmerksamkeit und oft staunendes Wohlwollen. Jenes Wohlwollen, das Anne, Elisabeth, Johannes, Kaupo und Efy ein wundervolles Abendmahl beschert, als einige Bewohner der Siedlung am Boot erscheinen, gastfreundlich einen nicht eben kleinen Fisch überreichen und versuchen zu erklären, wie das mit dem Ausnehmen geht. Und ich sage an dieser Stelle nicht unabsichtlich, dass die freundlichen Leute „versuchen“, zu erklären, denn so richtig will es nicht gelingen, selbst Hand ans Abendbrot zu legen. „Trotz der kleinen Einweisung sind wir recht hilflos mit dem großen Brocken“ -lese ich und muss ein bisschen schmunzeln.

Am Ende ist es Kaupo, der den Fisch entschuppt und ausnimmt, was ein recht martialisches Bild gibt.

Nach einer windigen Nacht mit vollem Magen geht es am nächsten Tag weiter nach Atyrau, wo Efy zur belustigenden Verwunderung des Restes der Gruppe von einer Einheimischen in einem Restaurant gefragt wird, ob sie auf dem Klo heimlich getrunken hat. Was die Dame veranlasste, diese Frage zu stellen, bleibt ein Rätsel. Vielleicht gehen die Frauen dort ausschließlich auf die Toilette, um schnell mal einen Schluck aus dem Flachmann zu nehmen? Wir wissen es nicht.

Es ist an der Zeit, die kanadischen Visa zu beantragen und die kasachische Hafenstadt am Fluss Ural im Nordwesten des Landes bietet Gelegenheit dazu.

Eine Besonderheit von Atyrau ist die Tatsache, dass die Stadt zu einem Teil auf dem europäischen, zum anderen auf dem Asiatischen Kontinent liegt.

Auch hier verweilen die Damen und Herren des Projektes nicht lange und machen sich auf in Richtung Uralsk. Reibungslos? Fehlanzeige! Im stichpunktartigen Kurzbericht lese ich:

Unendliche technische Probleme an den Maschinen auf unendlich langen Straßen, die unendlich geradeaus gehen in unendlicher, flacher Landschaft.

Wie soll ich diesen herrlichen Satz umschreiben? Ich lasse ihn stehen, wie er steht, denn besser kann ichs auch nicht sagen.

Wir schreiben inzwischen den 29. April, als das Quintett in der westkasachischen Großstadt Oral (oder wie es im russischen heißt: Uralsk) ankommen, die im europäischen Teil des Landes liegt.

In der 230 000 Einwohner zählenden Stadt, die nur 30 Kilometer von Russland entfernt ist, lernen sie Andrej, Tamara, Viktor und Artjom mit seinem Raben namens Hitchcock kennen und verbringen wunderbare Tage in denen viel geschraubt wird, aber auch einen Paraplan-Flug als Erlebnis verbucht werden kann.

Paraplan nennt sich ein selbst zusammengeschustertes Fluggerät das zum Großteil -wie soll es anders sein- aus Ural-Teilen besteht. Nach anfänglichem Zögern lassen sich die Fünf überreden, selbst- und mitzufliegen. Einmal mehr bin ich froh, nur der schreibende Teil des Projektes zu sein, der von Außen, aus sicherer Entfernung berichtet und nicht, weil er kein Feigling sein will, derart waghalsige Unternehmungen mitmacht. Ich hätte mir die Hosen bis zum Stehkragen vollgemacht, aber ablehnen kommt natürlich nicht in Frage, denn wie gesagt, wer hier kneift, ist schnell der Loser der Truppe.


Stellt euch vor, ihr lernt ein paar coole Leute kennen, die verrückt genug sind, sich ein Fluggerät zu basteln. Stellt euch vor, diese coolen, verrückten Leute fliegen auch damit und führen euch das Teil vor. Stellt euch nun vor, sie laden euch ein, es selbst einmal zu probieren. Keine Chance, einfach wegzugehen mit der Ausrede: „Oh… ich hab ganz vergessen, dass ich noch mal zum Uhrmacher muss.“ oder „Hey, ich muss los, meine Omma kriegt n Zahn!“ …


Am Ende geht alles gut. Jeder darf mal, jeder macht mal und alle kommen wieder heil am Boden an.

Es wird gefeiert, es wird repariert und ersetzt, es wird geredet und besorgt, Ersatzteilkisten werden gefüllt bis es vier Tage später zurück auf die Straße geht. Aktobe ist das nächste Ziel. Wie das Team dort ankommt, ob überhaupt, wie die Motorräder auf schlechte Straßen und Feldwege reagieren, erfahrt ihr ganz bald im nächsten Teil.


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Auf dem Landweg nach New York - Etappe 2 - Teil V

Eine entscheidende Stunde – oder: Die Geschichte vom nicht abreißenden Pech

Wie versprochen war das Warten diesmal nicht so lang, die Zeit zwischen dem letzten, und dem jetzigen Bericht recht kurz…

So würde ich gern beginnen. Geht aber nicht, denn ich weiß nicht, wann meine Mail mit diesem aktuellen Text die leavinghomefunktion – Leute erreichen wird, bzw. wann sie in der Lage sind, mir die korrigierte und freigegebene Version zuzusenden. Das hat im Grunde nur einen einzigen Grund, nämlich die Tatsache, dass die Jungs und Mädels in diesem Moment bereits durch die Weiten der Mongolei fahren und daher nur bedingt das „Fenster zur Welt“ zu öffnen imstande sind.

Es liegt auf der Hand, dass meine Berichte natürlich zeitlich versetzt online gehen und die Eigentlichkeit einen doch recht weiten Vorlauf hat. Dennoch, das soll an dieser Stelle einmal betont sein, sind wir natürlich alle, das Quintett vom leavinghomefunktion – Projekt und ich, bestrebt, so zeitnah wie nur irgendmöglich zu „liefern“ dass Du, lieber Leser, nicht allzu lange warten musst, dass wir eine Nachvollziehbarkeit zu wahren versuchen und nicht so viel Distanz zwischen den Texten entsteht, dass du immer erst einmal den letzten Bericht lesen musst, um wieder „reinzukommen“. Leider ist das aus oben genannten Gründen nicht immer machbar und wird jetzt, da die Zivilisation immer und immer rarer wird, die folgenden Strecken immer dünner besiedelt sind, erst recht zu einem Problem. Aber bleiben wir zuversichtlich und gehen einfach im Sinne des Mottos „Positiv denken“ davon aus, dass wir wie bisher berichten können.

Und nun nicht länger auf die Folter gespannt. Wir erinnern uns: Die Fünf konnten, nach einigen Tagen plagender Bastelei endlich los. Die Zeit krallte sich bereits in den Nacken des Projekts und riss schon gierig ihr Maul auf, das ganze Vorhaben zu verschlingen. Gefährlich nah am terminologischen Exodus hieß es, sich sputen, den Kaupos Visa läuft bald aus und das Land muss verlassen werden, um weiterem Ärger aus dem Weg zu gehen.

Fünfzehn Polizeikontrollen passiert die Crew auf dem Weg ins Unwegsame, was allein schon eine nächste Herausforderung ist. Eine Herausforderung, die eventuell zu meistern ist, wäre da nicht noch das Problem des fehlenden Navigationssystems, das ja von einem LKW in den Navigationsgerätehimmel geschickt wurde. Nicht, dass die Fünf unfähig sind, Karten zu lesen, oder dass es gar an solchen mangelt, aber was auf eben einer solchen Karte wie ein kleines Stückchen Labyrinth aussieht, entpuppt sich bei realer Betrachtung, sprich: beim Befahren als sandiger Irrweg. „Manchmal sind wir siebzig, achtzig Kilometer ohne Plan gefahren. Doch war am Ende meist alles gut.“ sagt Johannes am Telefon. Auf der Website des Projektes ist zu lesen: „Zügig bahnen wir unseren Weg durch die Dünen – hier kommen uns tatsächlich LKWs entgegen – es ist nicht zu fassen, der Feldweg ist eine Autobahn.“

Störrische Esel, Hundewelpen und eine Impfung die keine ist

Alles gut, sagte ich eben. Es könnte so schön sein, doch die Pechsträhne will und will nicht abreißen.

„Lisa Lindenhorn“ hat ihren Freischwimmer im Schlammbad noch nicht und wird ihn, zumindest diesmal, auch noch nicht bekommen. „Lisa Lindenhorn“ – Kaupos Motorrad – hat eher Lust auf eine Pause und die macht sie, gleich einem sturen Esel, der, wenn er nicht will, auch nicht weiterläuft, inmitten einer riesigen, schlammigen Pfütze. Es geht weder vor, noch rückwärts und der Tross muss ein weiteres Mal halten, diesmal nicht, um Werkzeug aus den Taschen zu holen, sondern die Seilwinde zum Einsatz zu bringen, die in weiser Voraussicht noch in Deutschland gekauft wurde. Ein verhältnismäßig kleines Problem, denn flink ist der Karren aus dem Dreck gezogen, getadelt und es wird wieder aufgesessen. „“Das war irgendwie schon ein Erlebnis. Zum ersten Mal wurde mir hier so richtig bewusst, dass hier alles anders läuft.“ sagt Johannes und Elle fügt lachend hinzu: „Das ist auf jeden Fall eine gute Vorbereitung auf Sibirien!“

Dass die Fünf ein großes Herz haben, weiß ich persönlich auf jeden Fall. Und auch, wenn ich Kaupo selbst nicht kenne, liegt es doch auf der Hand, dass es so sein muss, er würde ansonsten gar nicht zum Rest der Gruppe passen. Ich erzähle das nicht, weil ich an dieser Stelle nichts besseres zu sagen habe und irgendwie die Seiten mit Text füllen muss, sondern weil ich beim Lesen der Kurzberichte auf der Website des leavinghomefunktion – Projektes auf eine kurze Anekdote stoße, die wir am Telefon gar nicht beleuchtet haben. Ich aber bin der Meinung, dass dies erwähnt sein muss:

Kaupos Ural aus dem Schlamm befreit, geht’s weiter, die Karawane zieht genießend durch die Steppe, bis Johannes erschrocken feststellt, dass seine Kamera nicht mehr auf der Halterung klemmt. Ein Verlust, der schmerzt, wenn man schon wenig dabei hat. Also kehrt Marsch, auf die Suche nach „Knipsi“ wie sie den Apparat verniedlichend nennen (In Sachen Namensgebung sind die Fünf offenbar nie verlegen) und hinein in die Fügung. Statt nämlich das Gerät der Bannung zu finden, müssen sie zusehen, wie vor ihren Augen ein Hundewelpe ausgesetzt wird, der nun mutterseelenallein durch das sandige Labyrinth schlawenzelt. Die Kamera selbst finden sie nicht mehr, denn klar, tausend Wege, die alle gleich aussehen, da wüsste auch ich drei Stunden später nicht mehr, wo ich hergekommen bin.

Großherzig nehmen sie sich des ausgesetzten Hundes an, versuchen, ihn einem Schäfer, den sie unterwegs treffen, zu vermitteln, der jedoch bereits genug Hunde hat, sich des Welpen nicht annehmen kann. Und so geht’s weiter zu sechst, bis ins nächste Dorf, wo sie „Hündin Klaus“ „ihrseinem“ Schicksal überlassen müssen. Freilich wäre ein Hundewelpe unterwegs auf großer Fahrt eine lustige Sache, fürs Tier selbst und die Tour an sich jedoch, wäre das zu viel der Güte. Im Dorf, so schrieben sie, seien seine Überlebenschancen unter den anderen Straßenhunden auf jeden Fall höher. Tierheime? Fehlanzeige.

Und weiter gehts. Man hat offenbar einen „Run“, was hier eine pannenfreie Zeit bedeuten soll, was ausgenutzt werden will und muss. Das Visum von Kaupo ist bald abgelaufen, die Zeit beißt sich immer fester in den Nacken des Projektes.

Zwanzig Kilometer vor der russischen 520 000 Einwohner – Stadt Astrachan schlagen die Abenteurer ihr Lager auf. Die Nacht wird kurz, denn es steht noch ein wichtiger Punkt vor dem Grenzübertritt an. Eine Klinik muss gefunden, wo Efy sich gegen FSME impfen lassen kann, „denn,“ so erzählt Elle, „es gibt hier unglaublich viele Zecken, diese Impfung ist enorm wichtig.“

Einmal mehr kann man hier eine Ode an das Internet singen, denn theoretisch ist diese Klinik schnell gefunden. Theoretisch!

Also wird nach kurzer Ruhe zum Aufbruch geblasen, instinktiv richtig, denn kaum erreicht der Tross die große Stadt, heißt es Stop and Go in einem riesigen Verkehrsknäuel. In Summe mit der herrschenden Wärme ist dies etwas, das die alten Ural-Maschinen nur schwer verkraften.

Um die Wolga herum, die Astrachan durchschneidet, sieht es eher aus, wie in einem riesigen Industriegebiet, es herrscht Chaos, nicht nur durch den Verkehr, sondern auch die Tatsache des fehlenden Navis macht dem Quintett zu schaffen. Wie soll man in einer Metropole wie dieser, ohne Navi das besagte Krankenheus finden, wenn auch noch die Zeit nicht nur des ablaufenden Visas kneift, die Impfung selbst nämlich nur zwischen 11.00 und 12.00 Uhr „abgeholt“ werden kann. Und klar ist, als Tourist spazierst du nicht quitschvergnügt und mir nichts dir nichts in irgendeine Praxis, legst deine Krankenkarte auf den Tresen und wartest dann drei Minuten, bis dir der Herr Doktor die Spritze in die Armbeuge rammt. Mit diesem Arzt muss gesprochen werden, Dokumente müssen ausgefüllt werden und wer weiß, welche bürokratischen Hindernisse noch im Wege der Planerfüllung liegen.

Halb zwölf. Die Stimmung ist gereizt, die Uhr gegen die Impfung, die Maschinen brauchen dringend Erholung und so entscheidet die Gruppe, unverrichteter Dinge ihren Ausgang in Richtung Grenze zu suchen. Manchmal muss man auf solch einer Reise Entscheidungen treffen, die dem Einzelnen nicht schmecken. Diesmal trifft es Efy, die sichtlich enttäuscht ist.

Tucholsky hätte applaudiert

Bevor jedoch Astrachan hinter den Fünfen liegt, wird hauptsächlich Elle zur Bremse eines Schauspiels. Auf einer großen Kreuzung werden die Fünf von einer Streife gestoppt, die sichtlich gestresst und arg fordernd nach den Dokumenten fragt, dabei aber immer wieder beinahe panisch „dawai“ ruft. Elisabeth begreift erst nicht, kramt in den Tiefen ihres Gepäcks nach den Papieren und stellt mit Schrecken fest, dass der Grund für „dawai dawai!!!“ eine riesige Militärparade ist, die geradewegs auf jene Kreuzung zurollt, die sie justament blockiert, denn das Motorrad will nicht wieder anspringen. Das „Dawai“ des Polizisten erhebt sich zu einem Schrei, Elle selbst springt in den Kickstarter, die Nervosität wird unaushaltbar, die Parade kommt immer näher und… die Karre will einfach nicht anspringen. Die militärische Generalprobe für den neunten, der bekannter Maßen in Russland der große Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus ist und als solcher noch größer zelebriert wird, steht. Panzer, Raketen beladene Lkws, alles aufgehalten von einer deutschen und ihrem russischen Motorrad. Auch mir würden in dieser Situation die Knie schlottern, wie Elisabeth es beschreibt. Und kaum, dass der riesige, paradierende Konvoi sich einen Weg an der Mensch-Maschine-Barrikade vorbei bahnt, die letzten Fahrzeuge die Engstelle passieren, röhrt der Motor vom „Untyp“, Elle bewegt den Gasgriff und es ist, als sei nichts geschehen. Tucholsky hätte applaudiert.

Maestros die Kurbelwellenklumpen von Herzen fallen lassen und ein Endlich, das knapp war

Nun könnte es weitergehen, endlich auf zur Grenze. Die ablaufenden Minuten werden beinahe hörbar. Es KÖNNTE weitergehen. Es geht aber nicht weiter. Kaum, dass die Fünf sich wieder in den Verkehr einreihen, Johannes’ Befürchtungen, Spritmangel sei Schuld einiger Zurückbleibender sich nicht bestätigen, fängt Elisabeths Motorrad an, laut zu rasseln. Schlimme Ahnung, schlimme Fakten, gleiche Symptome wie wenige Tage zuvor bei Annes Ural. Der Kickstarter bewegt sich keinen Millimeter. Kolben fest.

Spätestens jetzt wäre ich mit einem lauten Schrei und einem Tritt gegen die Karre ausgerastet, hätte mir eine Bar gesucht und mich frustriert betrunken. Aber es bleibt bei einem wütenden Aufstampfen Annes, bei einigen Flüchen und einem resignierenden „Kein Bock mehr“ aus Johannes Mund. Gäbe es einen Orden der Vernunft, das leavinghomefunktion – Projekt hätte ihn mehr als verdient.

Sergej, den wir aus Vladikavkaz kennen, hat Kontakte nach Astrachan, das wissen die Fünf. Und während die beiden Jungs und Elle beginnen, die Maschine auseinanderzunehmen, telefoniert Anne mit jenem Sergej, der wiederum seine Freunde in der hiesigen Stadt anruft, und sie zum Pannenort lotst.

Das „Mittel Ural“ als Kommunikationsmittel, wie es von Anfang an konzeptionell gedacht war, beweist einmal mehr weise Voraussicht in Plan und Denken. Ohne die Ural-Maschinen hätten die Fünf einige Menschen wohl vielleicht nicht kennen gelernt, Menschen, die sich im Nachhinein als sehr wichtige, freundliche und stets hilfsbereite „Telefonjoker“ erweisen.

Sergejs Bekannte erreichen das Debakel und nach kurzer Besichtigung wird Elles Motorrad abgeschleppt. Dabei löst sich noch das Hinterrad der havarierten Maschine, das vergessen wurde, wieder festzuschrauben.

Unsere quälende Fahrt endet auf einem großen Industriegelände. Hier reihen sich die Werkstätten aneinander und es dauert nicht lang und wir sind von Mechanikern umzingelt“ liest man auf der Website des Projektes.

Aber man sagt berechtigt: Viele Hände, schnelles Ende und so geht’s schneller als man „kaputt“ sagen kann, Motor raus, Getriebe ab, die losen Schrauben, die wohl Urheber des Defekts sind und einige Spuren hinterlassen haben entfernen. Die weiteren notwendigen Reparaturen gelingen in Windeseile und schneller als man sich versieht, steht das Motorrad wieder in Gänze und funktional vor der Gruppe.

Wieder wird seitens der russischen Helfer gestaunt, wieder werden Bekanntschaften gemacht, wieder wollen einige der Leute die Fünf aus der Stadt begleiten, wieder liegt eine Grenze unmittelbar vor ihnen, wieder geht etwas kaputt… aber es nur Kleinigkeiten, die schnell behoben werden können und sei es das kaputte Licht, das fürs erste durch Taschenlampen ersetzt wird.

23.00 Uhr. Die netten Herren Maestros der Bastelei haben sich verabschiedet. Nach kurzer Fahrt erreichen die Fünf den Grenzübergang in Richtung Kasachstan. Eine Stunde noch, und Kaupos Visum läuft aus. Diesen Umstand den Beamten erklärt und sie winken den Tross nach vorn.

Das letzte Wort dazu soll Elisabeth haben: „Die Grenzbeamten sind unglaublich nett – der Start für Kasachstan steht unter einem guten Stern. Kurz nach der Grenze schlagen wir unser Lager in der Steppe auf und wie durch einen Schalter angeknipst startet ein tiefer, heulender Wind, der zügig über den sandigen Boden tost. Die Geräuschkulisse trägt uns in den Schlaf – keiner von uns kann das fassen, wir sind endlich in Kasachstan.

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Auf dem Landweg nach New York - Etappe 2 - Teil IV

Dünne Fäden der Geduld

Ich persönlich gehöre ja eher zu derjenigen Sorte Mensch, deren Geduld nur in begrenzter Kapazität vorhanden ist und wenn etwas nicht geht, wie ich es will, schmeiß ich es schlichtweg an die nächste Wand, oder, wenn keine Wand in der Nähe ist, irgendwo in die Botanik und gehe meiner Wege. Packt mich die Wut im Unermesslichen, was nicht selten dann der Fall ist, wenn ich mich dem weggeworfenen Gegenstand noch einmal widme um seine Funktionalität doch vielleicht wieder herzustellen, dann bin ich auch nicht abgeneigt, einfach einen großzügigen Schluck Feuerzeugbenzin mit einer Flamme aus dem Feuerzeug selbst zu kombinieren und den ganzen -entschuldigt den Ausdruck- Scheiß ganz einfach anzuzünden.

Und da liegen wir bei einem weiteren Grund für die Tatsache, dass ich liebend gern auf das Abenteuer „Auf dem Landweg nach New York“ verzichte, lieber von zu Hause aus ab und an telefoniere und schreibend meinen beteiligenden Beitrag leiste. Denn wenn zu zehnten, elften, dreißigsten Mal mein Motorrad aussteigt, ich würde mich vergessen.

Dies als Bekundung meines Respektes allein die Geduld betreffend, die unsere fünf fahrenden Freunde beweisen, wenn sie in scheinbar stoischer Ruhe jeden kleinen und großen Defekt beheben, sich Gedanken machen, basteln, tüfteln, reparieren und nicht längst schon den nächstbesten Zug gen Heimat genommen haben.

Wir erinnern uns diesmal recht einfach, dass die Fünf den 80 km Umweg in Richtung Astrachan nahmen, weil die direkte Strecke eher ein schlechter Feldweg ist, wie einer der Polizisten einer Straßenkontrolle sagte. Solche Kontrollen folgen nun alle 20 km, die die Route direkt durch die Krisengebiete Nordossetien und an der Grenze zu Tschetschenien führt.

7

Kurz vor Beslan dann ein erneuter Zwangsstopp. Annes Motorrad geht aus, der Kickstarter ist fest. Es ist stockdunkle Nacht und der Fehler lässt sich auf die Schnelle nicht finden. Ein Abschleppseil bildet die Verbindung vom defekten zum funktionierenden Fahrzeug, Elisabeth schleppt Annes „Rooster“ zu einem unweit gelegenen Waldstück. Das Nachtlager wird errichtet, ein Einheimischer, der auf seinem Pferd unterwegs ist, fragt freundlich nach dem Befinden. Und während die Fünf in ihren Schlafsäcken allmählich in Richtung Schlaf taumeln, umgibt sie die Geräuschkulisse des Draußenseins. Die Krähen, die über ihnen kreisen, als läge da unten ein gefundenes Fressen, wollen keine Ruhe geben. Es krächzt und kräht über den müden Gliedern des Quintetts und das Einschlafen zieht sich wie Gummi gen Morgen.

Das Erwachen am nächsten Tag heißt Arbeit. Werkzeug und fragende Blicke umgeben die blaue Maschine von Anne, Befürchtungen werden laut und lauter und am Ende steht fest: „Rooster“ ist zumindest hier, mitten in der Pampa nicht reparabel. Der Kolben ist fest. Glück im Unglück quasi ist die Tatsache, dass Beslan nur drei Kilometer entfernt ist und dort eine Familie lebt, die bereits bei der Visite im September mit Ersatzteilen aushelfen konnte. Und so geht es mit Hilfe des Abschleppseils in Richtung Beslan.

Das Haus besagter Familie ist flink gefunden, seine Bewohner aber scheinen nicht da zu sein. Aber wie so manches Mal hilft der Zufall und so treffen die Fünf Igor, jene Zufallsbekanntschaft von vor fünf Monaten, die damals schon den Kontakt zu Leonid, dem Oberhaupt der Schrauberfamilie herstellte. Letzterer sei auf dem örtlichen Ersatzteilmarkt und so warten Anne und Efy am Haus, während der Rest sich auf den Weg zum Mark macht.

8

Einige Stunden später ist es dann soweit. Als nach einem ausgedehnten Frühstück Leonid am Haus ankommt, wird sofort Hand angelegt, es dauert keine halbe Stunde und Annes Ural ist sprichwörtlich skelletiert. Schnell stellt sich heraus, dass das Grauen einen Namen hat: Kurbelwellenbruch. „Das ist so ziemlich das Schlimmste, was einem Motor passieren kann.“sagt Elisabeth am Telefon. Aber der Schrauberheld und Ersatzteilkönig Leonid zaubert eine original verpackte Kurbelwelle von 1985 aus einem seiner Regale, baut sie ein und Annes Ural wieder zusammen. Ich kann mir die Erleichterung vorstellen, die in diesen bangen Momenten in jedem Einzelnen der fünf fahrenden Künstler vorging. Um Mitternacht sind die Hände ölig, die Karre gängig aber an Aufbruch ist nun kaum noch zu denken und so lädt die Familie unsere Abenteurer ein, im Haus zu übernachten.

Der Start am Morgen wird zu einem versuchten Start. Wieder überschattet ein Defekt das Losfahren. Weder Annes, noch Kaupos Motorrad wollen anspringen. Wieder hilft Leonid. Wieder wird sechzehn Stunden geschraubt, gebastelt, ausgetauscht, repariert, probiert und wieder stehen Johannes und Kaupo nur sehr kurz vor einem Zusammenbruch. Wie gesagt, ich hätte den Mist an die Wand geworfen, mich bedankt, mir den nächsten Bus zum nächsten Flughafen genommen und wäre stocksauer nach Deutschland zurückgeflogen, Das Wort Ural hätte ich nie wieder in den Mund genommen und alles, was auch nur im Entferntesten mit dieser Tour zusammenhängt hätte ich aus meiner Zukunft verbannt. Aber das Quintett hat ein Ziel, ein Vorhaben und Geduld, so viel Geduld, wie ich sie selbst in Summe meiner Lebensjahre nicht hätte.

10

Nach also sechzehn Stunden Bastelei, Flucherei und Schrauberei schläft das Team erneut bei der Familie, wird gastfreundlich umsorgt und aufgenommen.

Neuer Tag, neues Glück, neuer Startversuch und…. Morgenstund hat Dreck im Mund. Beziehungsweise Öl. Erneut ist es Annes Motorrad, das strikt den Dienst verweigert und auch Kaupos Maschine schließt sich dem Streik an. Die Elektronik seiner Maschine, sagt Elisabeth, sei wohl verhext. Es nützt also nichts, Kommando Schraub und Bastel in Beslan die Dritte. Und verhext ist wohl auch Anne ein bisschen, denn als sie am späten Nachmittag ihrem Ärger in Form eines Schreis Luft macht, springen plötzlich beide Urals an, als hätten sie Angst vor dem finalen Kick, dem Motorradfriedhof oder dem Uralhimmel bekommen. Doch die Maschine des Esten, die liebevoll die „grüne Elise Lindenhorn“ genannt wird, will nicht mehr. Selbst der ebenfalls inzwischen genervte Leonid weiß sich keinen anderen Rat als einen Bekannten anzurufen, der tatsächlich noch eine Ural herumstehen hat.

Nach einem langen Abend läuft die „grüne Elise Lindenhorn“, nach maßgeblicher Veränderung endlich wieder“ liest man im Blog des leavinghomefunktio-Projektes. Es gibt ein weiteres üppiges Abendessen, bevor es dann in aller Herrgottsfrühe wieder on the road gehen soll, denn die Zeit kneift, Kaupos Visum läuft aus und bis zur Grenze nach Kasachstan sind es noch achthundert Kilometer.

9

Drei Uhr Nachts dann klingelt der Wecker. Lubov die Frau von Leonid die schon die letzten Tage warme Mahlzeiten kochte, steht mit auf, um den Fünfen zum Abschied noch das Frühstück zu bereiten. Sie scheint ein wenig verwirrt ob des frühen Erwachens. Warum drei Uhr, wenn es erst um fünf los gehen soll, fragt sie und Elisabeth fällt die Zeitumstellung wie Schuppen von den verschlafenen Augen. Eine Stunde zu früh aufgestenaden. Ein schlechtes Omen?

Durchaus. Denn nachdem der Tross den Hof mit einem Hupkonzert verlässt und einige Meter gefahren ist, fehlt etwas. Elisabeth: „Wir sind gerade losgefahren, ich sehe in den Rückspiegel und… Anne ist nicht da! Ich dachte „das kann doch jetzt nur ein schlechter Scherz sein“ und wir fuhren deprimiert zurück“.

Glücklicher Weise stellt sich der Schaden als schnell behebbar heraus und endlich kann es weitergehen. Bis…

…ja, bis auf der Strecke in Richtung Inguschetien die nächste Polizeikontrolle den Tross stoppt, der erste Beamte aber, etwas verwirrt, weiterfahren lässt. Ein Fehler, wie sich kurz danach herausstellt, als ein Wagen der Polizei mit Blaulicht die Fünf überholt und zum Anhalten auffordert. Man dürfe hier nicht mit Motorrädern fahren und das Nichtbeachten dieser absurden Regel koste nun läppische fünfhundert Euro. Verzweifeltes Diskutieren und schauspielerisches Dummstellen helfen nichts, die Cops wollen Kohle und werden immer stinkiger. Wieder hilft Leonid. Diesmal als Telefonjoker. Der Angerufene Schrauber spricht mit einem der Beamten, der sich schnell beruhigen lässt und freundlich zur Weiterfahrt bittet.

12

Nicht weniger als fünfzehn weitere solcher Kontrollen müssen die Fünf an diesem tag noch über sich ergehen lassen, freundlich jedoch und wesentlich problemfreier. Einzig die Papiere werden geprüft und gute Fahrt gewünscht. Einige wollen Bilder mit den drei Deutschen, der Zypriotin und dem Esten machen.

Schaffen es die Fünf vor Ablauf des Visums von Kaupo bis zur Grenze? Wie ist das eigentlich, so ganz ohne Navi und also nur mit Karte durch die Welt zu kutschen, durch Weiten, die schon sehr an Sibirien erinnern? Und was passiert in diesen Weiten, wenn das Benzin knapp wird? Setzt man sich einfach auf das Selbstgebaute Fluggerät eines fast fremden Menschen, um die Welt von oben zu sehen?

Die Antworten gibt es ganz bald.

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Auf dem Landweg nach New York - Etappe 2 - Teil III

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Vielleicht lag es daran, dass ich wochenlang nichts von den leavinghomefunktion – Leuten gehört habe, dass meine Nachrichten nicht beantwortet wurden, dass kein Anruf kam und selbst die kurzen Twitter-Nachrichten die auf Facebook ihre Verbreitung finden eher sporadisch waren, dass ich neulich Nachts von Elisabeth träumte. Die nämlich tauchte urplötzlich in Jena auf, wo ich mich gerade aufhielt. Wir trafen uns zufällig, die Freude war groß und sie fragte mich, ob sie nicht ein, zwei Wochen bei mir schlafen könne. Sie sei hier, um einige Dinge zu regeln, da vieles nicht nach Plan läuft auf der Reise zum Fernziel New York.

Vielleicht war es auch nur Zufall, aber an Zufälle wie solch einen glaube ich im Grunde nicht. Und wahrhaft: problemlos verliefen die letzten drei Etappen keinesfalls. Und weswegen nun genau am darauf folgenden Tag mein Telefon klingelte, die Nummer auf dem Display mir verriet, dass hier der lang ersehnte Anruf eingeht, nun, man kann es Schicksal nennen, den Traum eine Vorhersehung schimpfen, oder an eben einen Zufall glauben, vielleicht aber auch an energetische Felder die ja Distanzen zu überbrücken imstande sein sollen, die sich unserer Vorstellungskraft zu entziehen vermögen.

Im Grunde ist es aber auch völlig egal, warum, weshalb, wieso dieser Anruf am Tage nach meinem Traum stattfand. Er fand statt und das ist das Wichtige.

Das Telefon klingelte also, was mir zunächst ein bisschen peinlich war, saß ich doch justament an der Kaffeetafel des schwiegerväterlichen Geburtstagszeremoniells. Aber das musste mir egal sein. Ich nahm an, verlangte eilig gestikulierend nach ein paar Notizzetteln und einem Stift und verzog mich in die hinterste Ecke der Terasse, um genug Aufmerksamkeit aufbringen zu können, die ich wahrlich brauchte. Fast zwei Stunden sprach ich mit Elisabeth und Johannes und Staunen, Lachen, Mitleiden wechselten sich untereinander ab, denn was Elle mir im Traum erzählte war nicht (nur) ein Hirngespinst meiner Gedanken sondern tatsächliche Realität.

Drei Tage für hundert Kilometer – Als wolle Georgien den Tross nicht freigeben

Natürlich beginne ich stets mit der fragenden Höflichkeitsfloskel „Wie geht’s euch?“ die Elisabeth mit einem „Inzwischen wieder gut, um nicht zu sagen, sehr gut!“ Ich höre ihr Lachen zwischen den Worten und ahne noch nicht, dass dies wohl der Ausdruck einer Art Aufatmen nach Strapazen ist.

Unsere Freunde seien nun schon geraume Zeit in Kasachstan, aber das Wie des Dorthinkommens, das mir nun berichtet wird, liest sich wie von höherer Macht gesandte Pechsträhne. Irgendwer wollte wohl die Probe(n) aufs Exempel statuieren und den fünf Fahrenden ihr Allerletztes herauskitzeln, zu erfahren, ob sie wirklich gewappnet sind für die kommenden Etappen durch die Mongolei, durch Sibirien und Alaska.

Aus dem letzten Bericht wissen wir, dass der Start zur nächsten Etappe nach der Winterpause im Grunde kein wirklicher Start war, weil Kaupos Paiere irgendwo hängen geblieben sind. Ohne Papiere keine Ausreise, also saßen die Fünf im Rohbau eines Freundes aus Tserowani fest, nutzten die Zeit, um zu schrauben, Fußball mit der Ortsjugend zu spielen und Bürokram zu erledigen.

Geduld ist je bekanntlich eine Tugend, wenn aber die Zeit eines begrenzten Visums kneift, sind Geduld und Gelassenheit eher fehl am Platze. Und nach etlichen Tagen des Wartens entschied man sich, schlichtwweg ein neues Visum für Kaupo direkt in Georgien zu beantragen, damit man endlich losfahren kann. Gesagt getan, die Papiere sind vollständig, die Motorräder beladen, die Klamotten sitzen, die Kickstarter werden zum letzten Mal in Tserowani gen georgische Erde getreten und auf geht’s im knatternden Quintett in Richtung russische Grenze. „Endlich“ sagt Elisabeth „konnten wir los!“

Ich kann mir gut die Erleichterung vorstellen, die sich breit machte, die Freude, wieder auf der Straße zu sein, dem Ziel Stück für Stück näher zu kommen, auch, wenn das natürlich noch in weiter Ferne liegt. Ich kann mir gut vorstellen, wie sich die Bilder des Grenzübertritts nach Russland allmählich in festen Gedankenbildern manifestieren und man sich schon durch die kasachische Steppe fahren sieht. Bald, sehr bald wird es soweit sein, es sind ja nur einhundert Kilometer. Pustekuchen!

Elisabeth erzählt lebhaft, dass immer und immer wieder eine der Maschinen irgendeinen Defekt hatte, dass ständig irgendwo Halt gemacht werden musste und kleinere und größere Reparaturen von Nöten waren, um weiter zu kommen. Die Leichtigkeit der ersten Etappe scheint dahin, das Vorankommen vor der Winterpause war wohl zu gut, um da anknüpfen zu können.

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Wir haben ganze drei Tage gebraucht, um die Distanz von knapp hundert Kilometern zurückzulegen, weil ständig irgendwas anderes kaputt war“ sagt Elisabeth in einem genervten Ton der gedanklichen Nachwehen. Hauptsächlich schwächelte „Susanne Schweppches“, das Motorrad von Johannes und erfuhr einen etappenweisen Austausch von fast allem, bis der „Telefonjoker“ herhalten musste, weil nach dreißig Stunden Schrauberei noch immer keine wirkliche Verbesserung in Sicht war. Sandro, ein Freund der Fünf aus Tiflis erhörte den Notruf und eilte herbei, der Sache auf den Grund zu gehen und wurde fündig. Vorerst.

Und so schraubten sich die Gespanne nebst ihrer am Rande der Verzweiflung befindlichen Steuermänner und -Frauen in den Kaukasus.

Kurz vor der georgischen Stadt Kazbegi in etwa 2000 Meter Höhe ist es dann Kaupos Maschine, die den fahrenden Dienst verweigert. „Batterieladestand im Keller“ ist auf der Website leavinghomefunktion.com zu lesen und damit liegt er, der Batterieladestand, direkt neben der kollektiven Stimmung.

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Weiter heißt es:

Es ist Tag 3 der zweiten Etappe und unser Streckenreckord liegt bei wahnwitzigen 60 Kilometern. Wir haben gerade alle keine Kraft mehr, so sehr wünschen wir uns in das Land, wo die Ersatzteile vom Himmel regnen – Russland. Überuns fliegen Bussarde, die Sonne scheint, es ist wunderschön hier oben im Schnee. Wir haben Zeit diese Aussicht zu genießen, denn zur Grenze werden wir es heute wieder einmal nicht schaffen – Schuld trägt eine kaputte Lichtmaschine.“

Also wieder das im Gepäck wohl nicht allzu tief vergrabene Werkzeug raus und ans Werk, der Endgegner wartet. Die russische Grenze. Einen Tag später ist es dann auch soweit und von nun an könnte es eine Fahrt ins Glück werden, eine unbeschwerte Reise durch das Paradies der Uralanten. Könnte….

Der Kontrollposten ist zu erahnen im Abstellen an die Kilometerlange Warteschlange. LKWs reihen sich hinter LKWs, PKWs stehen brav hinter PKWs, dazwischen irgendwo vier Uralmotorräder mit deutschen Kennzeichen. Eine Vorhut bilden Anne und Kaupo, die etwas weiter vorn in der Schlange stehen und als sie am Checkpoint stehen von weitem eine tiefe Besorgnis in ihren Gesichtern zu lesen ist. „Wir standen ja weiter weg in der Reihe und haben schon gesehen, dass da irgendwas nicht stimmt, denn Anne und Kaupo liefen auf einmal aufgeregt hin und her.“ sagt Elisabeth am Telefon. Schnell stellt sich heraus warum. Da das Motorrad des Esten auf Anne angemeldet ist, gibt es kein Passieren, denn so geht das nicht. Es darf nur ein Fahrzeug pro Person nach Russland geführt werden und es gibt im Grunde nur eine reale Option: zurück nach Kazbegi, dort einen Notar suchen, der beglaubigt, dass Kaupo ganz offiziell mit Annes Ural fahren darf. Fatal, denn Kaupos Russlandvisa läuft in fünf Tagen ab. Nochmal zurückzufahren würde einen enormen bürokratischen Aufwand bedeuten und das Weiterkommen erneut extrem verzögern.

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Es dauert einige Zeit, Elisabeth schätzt 5-6 Stunden, bis das Aufregen und Diskutieren mit Grenzbeamten Wirkung zeigt, denn plötzlich ist alles kein Problem mehr. Inzwischen wissen alle, die sich im Grenzbereich aufhalten, wer die Fünf sind, wo sie her kommen, weswegen so eine Aufregung herrscht und wer von den weiblichen Teilnehmern des Projektes verheiratet ist und wer nicht.

Beherrsche den Kaukasus – Freud und Leid in Russland“

Aufatmen und auf Richtung Wladikawkas. Entlang der russischen Heeresstraße geht es durch die Schluchten des beeindruckenden Kaukasus.

Ganz fremd ist unseren Freunden das Industrie- und Kulturzentrum mit seinen knapp 312000 Einwohnern nicht, waren sie doch im vergangenen Jahr schon einmal hier. Die Hauptstadt der russischen Teilrepublik Nordossetien-Alanien heißt übersetzt so viel wie „beherrsche den Kaukasus“ und dieser Name lächelt sein Motto hämisch in die Zukunft. Geographisch überblicken und Routen planen können die Fünf nur noch analog, da kurz vor der Grenze das Navigationsgerät unbenutzbar wurde.

Ich muss schon wieder an das Wort Schicksal denken und automatisch schiebt sich sein Gegenpart, die Vorhersehung, in meinen Kopf. Beim Start nach Russland ging es etwas hektisch zu, die noch immer im Keller vor sich hin siechende Laune machte das Ganze nicht besser und Johannes war wohl nicht ganz bei der Sache, als er das Navi an seiner Ural befestigte, denn der Wortstamm FEST war in diesem Fall nur ein Wortstamm, nicht aber ein Zustand. Und so löste sich der kleine aber wichtige Helfer vom Lenker, fiel zu Boden und wurde so zum Opfer eines dicht hinter Johannes fahrenden 40 Tonners, der es mir nichts dir nichts zermalmte.

Hungrig und müde kommen die Fünf an einem Bistro an und sind schnell -wie so oft- Magnet und Anziehungspunkt. Eine riesige Menschenmenge versammelt sich vor und in dem Laden, man wird eingeladen auf einen Schnaps und stößt nicht an, aber auf Unverständnis, denn das Klischee scheint sich zu bestätigen: wie, nicht trinken? Wir sind hier in Russland!

Unter den vielen Neugierigen Menschen, ein Motorradfahrer, der vor Begeisterung einen englisch sprechenden Freund anruft. Sergej heißt der und wird sich sehr bald als eine wichtige Bekanntschaft erweisen. Doch zunächst wird gegessen, geredet und eine Ersatzteilliste erstellt, denn Sergej hat Freunde in Astrachan, eine große russische Metropole an der Wolga.

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Mehr und Mehr Menschen versammeln sich, darunter eine Polizeistreife, die demonstrativ ihre Kalaschnikows vor sich hertragen, der Chef des örtlichen Bikerclubs, der so begeistert von dem Projekt ist, dass er, Kaupo, und Elisabeth neue Stoßdämpfer schenkt und einige wirklich stockbetrunkene Männer, die die Fünf förmlich zu sich nach Hause zerren wollen. Ein Grund zur Flucht und so geht es auf in Richtung Beslan.

Kaum aus der Stadt stoppt die erste von bald noch einigen folgenden Polizeikontrollen den Tross und auch, wenn Anne und Elisabeth ein wenig russisch verstehen, verstehen sie kein Wort und überhäufen die Beamten schlichtweg mit Fragen über die Beschaffenheit der Straßen und der besten Route nach Astrachan. Es gäbe wohl, antwortet einer der Uniformierten, zwei „Straßen“. Einen Asphaltierten und einen eher Schlechten, den man eigentlich nur als Feldweg bezeichnen kann. Es liegt auf der Hand, dass sich die Fünf für Asphalt entscheiden und dabei einen Umweg von 80 Kilometern in Kauf nehmen.

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Weiter geht’s, on the road, mit der Zeit im Nacken, denn wie schon erwähnt, haben sie nur noch fünf Tage, bis Kaupos Visum abläuft, Russland im Rücken liegen muss und Kasachstan erreicht ist. Aber so einfach das hier auch klingt, so schwer ist es in der Realität. Pannen, Straßensperren, Pannen, Umwege, Pannen und noch mehr Pannen warten auf Anne, Johannes, Elisabeth, Kaupo und Efy.

Und wie das Zwischenziel Grenze Russland Kasachstan auf die sprichwörtlich letzte Sekunde erreicht wird, erfahren wir ganz bald…

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