Ein neues Buch entsteht

"Hey, hex hex mein Guter ... Bin in der Binderburg (Jena) vom 22. - 27. Juli ... Bildhauerseminar ... Würde gern einmal was hören, dich treffen - gibt es da was in dieser Zeit von Wichtigkeit?" schrieb Peter Wawerzinek am 19. Juli 2019. 

 

Der Peter Wawerzinek, der neben vielen, vielen renommierten Preisen 2010 den Bachmann-Preis verliehen bekam. Der Peter Wawerzinek, dessen Bücher ich beinahe ausnahmslos gefressen habe. Der Peter Wawerzinek, den ich im Frühjahr des letzten Jahres auf einer Lesung auf der Litertur- und Kunstburg Ranis kennen lernte, mit dem ich dann wenige Wochen später, nach einer vom Verlag Edition Outbird organisierten Lesung eine Ziehung in Berlin machte, den wir, Tristan Rosenkranz und ich dann auf die Corvus-Bühne nach Gera holte, zusammen mit Florian Günther und mit dem ich seit dem in regem Mail-Kontakt stehe.

Sein jüngstes Buch "Geisterfahrt durch Südschweden" erschien bei Edition Outbird, dem Verlag bei dem ich als künstlerischer Mitarbeiter, mal als Lektor, mal als Rezitator und natürlich auch als Autor mitarbeite. 

Peter Wawerzinek
Peter Wawerzinek

Natürlich wollte ich mich mit ihm treffen! Nicht nur, weil uns eine durchaus elementare Sache - der Alkohol - verbindet, sondern auch und vor allem, weil ich ihn mag. Als Künstler, als Autor, als Mensch. Vor allem als Mensch. 

Ein paar Tage später machte ich mich also auf den Weg nach Jena. Natürlich mit dem Zug, denn auch, wenn wir uns schon Mittag treffen wollten, so wusste ich doch, dass dieses Treffen nicht ohne mindestens zwei Bier ablaufen würde. Was auf mich zukommen würde, wusste ich, als ich am Bahnhof stand, noch nicht. Ich freute mich lediglich auf das Treffen, auf Gespräche jenseits des typischen Kleinstadt-Tratsches, der mir so verhasst wie irgendwie auch geliebt ist. Eine gelungene Abwechslung, anspruchsvolles Reden, diskutieren, quatschen über Literatur erwartete ich und natürlich ein paar dieser alten Geschichten aus dem bewegten Leben des Schriftstellers, Filme- und Hörspielmachers, Musikers, Denkers ... Einige "Große" hat er gekannt. Einflussgeber, Inspiranten meiner eigenen Schreibe. 

Auf Punkt zwölf waren wir am Theater verabredet. Punkt zwölf war ich da und Peter wartete bereits auf mich. Die Frage, wo wir hingehen sollten war schnell beantwortet, denn unweit des Theater befindet sich das Grünowski, eine wunderbare Oase mitten in Jena. 

Quelle: https://media-cdn.tripadvisor.com/media/photo-s/13/5c/22/0e/photo1jpg.jpg
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Selbstverständlich bestellten wir jeder ein Bier und nach anfänglich typischem Smalltalk "Wie gehts dir?", "Was macht die Arbeit?" kam Peter schnell zum Punkt, zum scheinbar eigentlichen Grund des Treffens. Ob ich Rolf Dieter Brinkmann kenne, fragte er. Ich bejahte, musste aber zugeben, noch nie etwas von ihm gelesen zu haben. Einige seiner Videos kannte ich. Diese berüchtigten, in denen er mit seinem um die Schulter gehängten Tonband-Rekorder nebst Mikrofon durch Köln läuft und seinen künstlerischen Wutanfällen freien Lauf lässt. 

Er, Brinkmann, habe ein Buch geschrieben, als er ein Stipendium in der Villa Massimo in Rom (mehr oder weniger) genoss. Dieses Stipendium werde nun auch Peter W. zuteil und er will ebenfalls ein Buch machen. Brinkmann und Rom als Fundament wolle er mich dabei haben, denn nicht nur der Unterschied Groß- und Kleinstadt sei ein wunderbarer Grund dafür, sondern auch unser Altersunterschied. Meine Schreibe, die ehrliche, sei ebenfalls ein Grund, das Buch mit mir machen zu wollen.

Ein Ritterschlag. Ich schwebte ... und das lag freilich nicht am inzwischen zweiten Bier auf nüchternen Magen. 

Wir sprachen über ein Konzept, sammelten Themen, die wir in einem Jahr Mail-Kommunikation anfassen würden, sprachen über den Verlag und so vieles mehr. 

 

Einen Monat später nimmt das Ganze Form an. Einen Titel gibt es noch nicht. Aber schon einige Texte. Und die Form, der Stil, die Art stehen fest: 

 

O-Ton Peter Wawerzinek:

"weniger pin-up-girls und jede frau votze nennen und so

weniger brief an die liebste über die liebe und das scheitern dergleichen
weniger essen trinken was das alles kostet im vergleich zu deutsche-land
weniger mürrisch auf die ruinen in rom stieren und sich dort angemeiert fühlen
weniger frust ablassen und weniger rock musik die fantum ausdrückt
weniger zitate von diesen beatniks damals auch kaum welcher von heute
weniger tralala über den weltlichkünstlerischen werdegang und den neid
weniger reflektieren, dass die anderen alles arschlöcher sind

mehr Jörg Fauser 
mehr impressionen
mehr Pasolini = seine lange lange straße aus sand
mehr zeitgeist von jetzt mit früher gleichsetzen
wie sich doch die geschichte wiederholt der schoß furchtbar fruchtbar bleibt
mehr mit dem abrechnen, was mir zugestoßen ist seit ich schreibe
mehr dein literarischer weg und wie du es siehst
mehr über laster süchte lebensanspruch im satz zur realität reakli-tötung
und so

wenn dazu ne idee im verlag entwickelt werden kann
wenn jederr von uns beiden sich dazu auslassen darf
wenn uns dafür platz gewährt würde
dann wäre ich wären wir froh und wirklich sehr sehr angetan

den rest besorgen wir dann recht gern schreibend 
ich werde zusätzlich skizzieren, malen, kritzeln
fotografieren und durch intensiven mailkontakt
mit dir herrn M Kruppe aus Pössnick alles formvollendet sein lassen wollen können mögen

ja" 

So und also... geehrt und zum Ritter geschlagen, frisch, fromm, fröhlich, frei ... ans Werk ...