Parole: Durchhalten!

 

Ich hatte Rimbaud auf dem Arm

als er über Bukowski schrieb

Ich hatte Fauser zugehört

als er das Lied über die Dilettanten der 90er sang

Benn gebar Brecht,

den Enkel von Borchert

und wir tranken im Hemingway‘s

drei Tage lang

Remarque prostete mir von seinem reich gedeckten Tisch zu,

während ich mir vor allen einen runterholte

und dabei immer wieder schrie: „Fuck off america!“

Miller malte Wendekreise auf die alten Tapeten

und die Welt lag in ihrem Schatten

voller Scherben und Ekel

auf den ich ejakulierte

 

Als der Kater das Licht ausknipste

träumte ich von der staatlichen Subventionierung der Kunst.

Jeder abgehalfterte Säufer hatte nun ein festes Einkommen.

Tausendfünfhundert im Monat für die asozialen Künstler.

Ich wusste im Traum,

dass ich träume

und zerschlug die Einrichtung meiner Kate

denn der Unterschied zwischen Fiktion und Realität

fachte eine ungeheure Wut in mir an.

 

Uns geht’s an den Kragen

aber wir liefern…

wir krauchen durch die Höllen der Leistungsgesellschaft

...aber wir liefern!

Wem?

Das fragen wir nicht,

denn die Antwort würde uns lähmen.

Die Medaille wird posthum verliehen,

wenn es gut geht.

Die Realität bricht sich nicht im Leben.

 

Parole: Durchhalten!

Es wird keinen erlebbaren Ruhm geben,

folglich wird’s kein Geld geben

An uns verdienen sich die Späteren fett,

 

während wir Fusel, Billigbier und Butterbrot vertilgen…  


In einer anderen Welt

 

Jetzt haben sie ihn wieder mal verhaftet.

Er war kaum ein halbes Jahr da

Ein halbes Jahr in Freiheit

Einige Monate davon sogar ganz klar im Kopf

Vor seiner letzten Verhaftung war kein Gespräch mehr möglich,

Das ging, als er raus kam, ganz gut.

Er erkannte sich, die Welt, seine Mitmenschen

Bis er wieder anfing, sich dieses Zeug durch die Nase zu ballern,

sein Tabletten durch Bier und Schnaps ersetzte

Von da an gings wieder bergab mit ihm

 

Ich sah ihn nur noch selten

Seine heruntergekommene Gestalt hingegen

sah ich oft

Er war immer in Bewegung

Lief durch die ganze Stadt

Tag und Nacht lief er

mit einer Flasche Schnaps in der Hand

Seine graue Stoffjacke speckig

seine halblange Kargohose verdreckt

Sein Gesicht gegärbt von Sonne und Regen,

von Kälte und dem Nichtsein

Die Augen tief in den Höhlen

die Drogen zeichneten schwarze Ringe um die Lider

Die einst muskulösen Arme hingen wie Fäden an den Schultern

Der Schritt schleppend

der Blick wirr

als suchte er die Erlösung, die es nicht gab

 

Er sprach mit Leuten die nicht da waren

Stritt, lachte, erklärte, drohte

Immer wieder wurde er aggressiv

aber seine Schwäche machte ihn harmlos

 

Das sahen die Bullen anders

als er im Getränkemarkt eine Flasche Korn klauen wollte

und erwischt wurde

Er baute sich vor der Verkäuferin auf

spielte seine tänzelnde Drohgebärde

die in seinem Zustand nur lächerlich wirkte

aber auf Fremde wohl Eindruck machte

Sie rief die Cops, ein Kunde hielt ihn fest

 

Gleich zehn Uniformierte kamen,

rissen ihn zu Boden

und nahmen ihn brutal fest.

 

Jetzt hieß es wohl wieder Klappse.

In einem klaren Moment sagte er mir einmal,

dass es ihm dort viel besser gehe,

dass er die Droge nicht will

aber die Droge ihn,…

 

Ich denke darüber nach

und frage mich,

ob das noch Leben ist.

Wenn du tagein tagaus völlig verpeilt

in einer anderen Welt existierst

irgendwo zwischen Hier und Da

irgendwo zwischen Traum und Wirklichkeit

das Jetzt für keine Sekunde greifbar

 

Ich habe keine Antwort

ich weiß es selbst:

 

ganz nüchtern durch dieses Sein geworfen

ist auch kein

 

Genuss… 


Die Fremde

 

Es war eine dieser typischen Nächte

als ich noch halbwegs jung war

Ich saß mit einem Kumpel in einer Bar

Wir betranken uns, wie wir das jeden Abend taten

 

Irgendwann kam ein junges Ding rein.

Sie bestellte sich einen Cuba Libre

und setzte sich an einen der Tische,

trank, rauchte starrte vor sich hin.

 

Sie sah eben so traurig wie heruntergekommen aus

und mein Kumpel witterte die Chance,

den Abend außer Haus verbringen zu können.

Er nahm sein Glas und setzte sich zu ihr rüber

Einige Stunden saßen sie so da.

Er trank Bier und bestellte ständig Cuba Libre für sie.

 

Dann kamen sie zu mir rüber

und mein Kumpel fragte,

ob ich ihm mein Gästezimmer für Nacht zur Verfügung stellen könnte.

Freilich konnte er seine Bekanntschaft nicht mit zu sich nehmen können.

Dort wartete seine Alte auf ihn und sie war sicher jetzt schon sauer,

weil er sich mal wieder in der Kneipe

und nicht auf dem heimischen Sofa, schweigend in Zweisamkeit

vorm Fernseher aufhielt.

 

Wir zogen noch ein paar Stunden um die Häuser,

tranken hie rund da

und als wir bei mir ankamen

fiel mein Kumpel auf die Couch und schlief auf der Stelle ein.

 

Sie hieß Mandy erfuhr ich nun

wir tranken weiter und redeten bis der Morgen sein graues Licht

zwischen den Lamellen der Rollos hindurchpresste.

Irgendwann wurde mein Kumpel wach,

sah sich verstört und zerknittert um und verschwand wortlos.

 

Wir kriegten ihn kaum mit.

Ich hatte mich inzwischen in ihren Slip vorgearbeitet

Gegen Mittag schliefen wir nach zwei Akten ein

 

Vier Tage lang zogen wir uns kaum an

Wir tranken meine Bier, Schnaps und Weinvorräte

vögelten, schliefen… tranken, vögelten, schliefen…

Am Fünften Tag gab es keinen Alk mehr im Haus.

Sie warf sich ihre Klamotten über

und fragte nach nem Zehner für Bier

Ich gab ihr zwanzig und sagte, dass der Supermarkt gleich um die Ecke sei.

An der Tür rief ich ihr hinterher, dass ein bisschen feste Nahrung nich verkehrt wäre.

Sie nickte lächelnd und verschwand

 

 

Ich habe sie bis heute nie wieder gesehen…